In der ersten Zeit des Aufenthalts in Moskau hatten Lewin die vom Land mit hereingebrachten Pferde beschäftigt; er hatte sich auf diesem Gebiet so gut und billig wie möglich einrichten wollen, allein es stellte sich heraus, daß ihm seine Pferde teurer wurden, als die der Mietkutscher, und Mietkutscher nahm man noch obendrein.
„Laß ihn zum Roßarzt bringen, vielleicht ist eine Quetschung vorhanden.“
„Nun, und für den Wagen Katharina Aleksandrownas?“ frug Kusma.
Lewin wunderte sich jetzt nicht mehr, wie während der ersten Zeit seines Lebens in Moskau, daß zur Fahrt von der Wosdwishenka nach den Siwzij Wrashki ein Paar starker Pferde in den schweren Wagen hatten gespannt werden müssen, um diesen durch den kotigen Schnee ein viertel Werst weit zu bringen, worauf sie vier Stunden standen und daß er dafür fünf Rubel zahlte. Jetzt erschien ihm das schon natürlich.
„Laß den Mietkutscher ein Paar Pferde für unseren Wagen bringen,“ sagte er.
„Zu Diensten.“
Nachdem Lewin auf diese Weise, dank den Verhältnissen der Stadt, einfach und leicht eine Schwierigkeit geordnet hatte, welche auf dem Lande soviel überflüssige Mühe und Aufmerksamkeit erfordert hätte, ging er zur Freitreppe hinaus und rief einen Mietkutscher; setzte sich in den Wagen und fuhr nach der Nikitskaja. Unterwegs dachte er nicht mehr an Geld, sondern überlegte, wie er sich mit dem Petersburger Gelehrten, der sich mit Socialwissenschaft beschäftigte, bekannt machen und mit ihm über sein Buch sprechen wollte.
Nur in der allerersten Zeit hatten Lewin in Moskau jene, dem Landbewohner befremdlichen, eiteln und doch unvermeidlichen Geldausgaben überrascht, die von allen Seiten von ihm gefordert wurden. Jetzt hatte er sich jedoch schon an sie gewöhnt. Es ging ihm in dieser Beziehung so, wie es dem Trinker gehen soll: das erste Glas ging schwer, das zweite leichter — nach dem dritten aber ging es wie im Vogelschwarm.
Als Lewin das erste Hundertrubelpapier zum Ankauf der Livree eines Dieners und eines Portiers wechselte, stellte er sich unwillkürlich vor, daß diese Livreen, die niemand etwas nützten, doch unumgänglich erforderlich waren, darnach zu urteilen, wie sich die Fürstin und Kity verwunderten bei der Andeutung, man könne auch ohne Livree auskommen — daß diese Livreen ihm zwei Sommerarbeiter, das heißt, einige dreihundert Arbeitstage von der Osterwoche bis zu Fastnachten kosteten, von denen jeder voll schwerer Arbeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend war — und dieses Hundertrubelpapier ging ihm noch schwer vom Herzen. Das folgende indessen, zum Einkauf von Lebensmitteln zu einem Essen das er seinen Verwandten gab, das ihn auf achtundzwanzig Rubel kam, ging, obwohl es in Lewin die Erinnerung daran wachrief, daß achtundzwanzig Rubel doch neun Tschetwert Hafer waren, welcher unter Schweiß und Stöhnen gemäht, gebunden, gedroschen, geworfelt, wieder ausgesät oder aufgeschüttet wurde, schon leichter fort. Jetzt aber riefen die gewechselten Scheine schon gar nicht mehr derartige Erwägungen hervor, sondern flogen wie kleine Vögel davon. Ob die Mühe, welche auf die Erwerbung des Geldes verwendet worden war, dem Vergnügen, welches der dafür erkaufte Gegenstand gewährte, wirklich entsprach, diese Erwägung war schon lange verloren gegangen. Die wirtschaftliche Erwägung, daß es einen bestimmten Preis giebt, unter welchem man das Getreide nicht verkaufen kann, war gleichfalls vergessen. Das Getreide, auf dessen Preis er so lange gehalten hatte, wurde für fünfzig Kopeken der Tschetwert billiger verkauft, als man einen Monat vorher dafür gegeben hatte. Selbst die Erwägung, daß man bei derartigen Ausgaben unmöglich ein ganzes Jahr leben könne, ohne Schulden zu machen, selbst diese Erwägung hatte keine Bedeutung mehr für ihn. Nur Eines war nötig; man mußte Geld auf der Bank haben, ohne daß gefragt wurde, woher es kam, sodaß man stets wußte, wofür man den nächsten Tag das Rindfleisch kaufen könnte.
Er hatte nunmehr auch dies bei sich beobachtet: Stets hatte bei ihm Geld in der Bank gelegen. Jetzt aber war es dort ausgegangen und er wußte nicht recht, woher nun welches nehmen. Und dies versetzte ihn, als Kity mit ihm über das Geld sprach, einen Augenblick in Verlegenheit. Dabei aber hatte er auch keine Zeit, darüber nachzudenken.