„Die Achtung hat man erdacht, um eine leere Stelle damit zu verdecken, auf welcher die Liebe sein müßte. Aber wenn du mich nicht mehr liebst, so ist es besser und ehrenhafter, dies auszusprechen.“
„Nein, das wird unerträglich!“ rief Wronskiy, vom Stuhle aufstehend. Vor ihr stehen bleibend, sprach er dann langsam: „Weshalb stellst du meine Geduld auf die Probe?“ Er sprach dies mit einem Ausdruck, als könnte er noch mehr sagen, halte aber an sich; „es giebt gewisse Grenzen!“
„Was wollt Ihr damit sagen?“ rief sie, mit Schrecken auf den offenen Ausdruck von Haß schauend, der in seinem ganzen Gesicht, und besonders in den harten, drohenden Augen lag.
„Ich will sagen,“ begann er, stockte aber, „ich muß fragen, was Ihr von mir wollt?“
„Was könnte ich wollen? Ich könnte nur wollen, daß Ihr mich nicht vernachlässigt, wie Ihr es beabsichtigt“ — sagte sie, vollkommen verstehend, was er nicht vollendet hatte, „aber das will ich nicht; das kommt erst in zweiter Reihe. Ich will Liebe, und diese giebt es nicht mehr. Vielleicht, daß alles schon vorbei ist.“
Sie schritt der Thür zu.
„Bleib — bleibe!“ sagte Wronskiy, ohne seine finster zusammengezogenen Brauen zu glätten, und ergriff sie bei der Hand. „Was ist denn eigentlich? Ich habe gesagt, daß die Abreise auf drei Tage verschoben werden muß, du hast mir darauf geantwortet, ich lüge und sei ein ehrloser Mensch!“
„Ja, und ich wiederhole, daß ein Mensch, der mir vorwirft, alles für mich geopfert zu haben“ — sprach sie in der Erinnerung an die Worte eines anderen, früheren Streites — „daß er schlimmer ist, ein Mensch ohne Herz, als ein ehrloser Mensch!“
„Nein; es giebt aber doch eine Grenze für die Geduld!“ rief er aus, ihre Hand schnell loslassend.