„Er haßt mich, das ist klar,“ dachte sie, und verließ schweigend, ohne sich umzublicken, mit unsicheren Schritten das Gemach. „Er liebt eine andere; das ist noch klarer,“ sprach sie zu sich, in ihr Zimmer tretend, „ich will Liebe, aber die ist nicht mehr da. Vielleicht ist alles vorüber,“ wiederholte sie mit den von ihr schon geäußerten Worten, „und wir müssen ein Ende machen. Aber wie?“ frug sie sich und setzte sich in einem Sessel vor dem Spiegel. Gedanken daran, wohin sie jetzt fahren könnte — zu der Tante vielleicht, bei welcher sie erzogen worden war, zu Dolly, oder einfach ins Ausland, ferner daran, was er jetzt, allein in seinem Kabinett thun möge; ob dieser Streit ein entscheidender gewesen oder eine Aussöhnung noch möglich sei, sowie, was jetzt alle ihre früheren Petersburger Bekannten von ihr sagen würden, wie Aleksey Aleksandrowitsch die Sache betrachten würde; viele andere Ideen, was jetzt werden solle nach dem Bruch, kamen ihr in den Kopf, aber sie gab sich ihnen nicht mit ganzer Seele hin.

In ihrer Seele lebte ein unklarer Gedanke, der sie ausschließlich interessierte, doch konnte sie sich nicht klar darüber werden. Indem sie aber nochmals an Aleksey Aleksandrowitsch dachte, rief sie sich zugleich auch die Zeit ihrer Krankheit nach ihrer Niederkunft und jenes Gefühl wieder ins Gedächtnis zurück, welches sie damals nicht verlassen hatte „warum bin ich nicht gestorben?“ und erkannte nun plötzlich das Gefühl, welches in ihrer Seele lebte. Ja; er war es, der Gedanke, der allein alles entschied, „sie mußte sterben.“

„Die Schmach und Schande Aleksey Aleksandrowitschs, Sergeys, und meine eigene furchtbare Schmach — das alles wird durch den Tod gesühnt. Sie wollte — sterben, er aber sollte bereuen, er muß Mitleid empfinden, Liebe, und soll meinethalben leiden!“

Mit beständigem Lächeln des Mitleids mit sich selbst saß sie in dem Lehnstuhl, die Ringe ihrer linken Hand abziehend und wieder aufsetzend, und sich lebhaft seine Gefühle nach ihrem Tode, von den verschiedenen Seiten aus, vorstellend.

Sich nähernde Schritte, es waren seine Schritte, zogen sie ab. Als wäre sie mit dem Weglegen ihrer Ringe beschäftigt wandte sie sich nicht einmal nach ihm um.

Er trat zu ihr und ihre Hand ergreifend, sagte er leise:

„Anna, wir wollen übermorgen fahren, wenn du willst. Ich bin mit allem einverstanden.“

Sie schwieg.

„Nun?“ frug er.