„Du weißt ja selbst,“ sagte sie und brach sogleich, unfähig, noch länger an sich zu halten, in Schluchzen aus. „Verlaß mich, verlaß mich!“ sprach sie unter Schluchzen, „ich werde morgen fortgehen — ich werde noch mehr thun! Wer bin ich noch? Ein lasterhaftes Weib, ein Stein auf deinem Wege. Ich will dich nicht quälen, ich will nicht, und werde dich befreien. Du liebst nicht, liebst eine andere!“
Wronskiy beschwor sie, sich zu beruhigen und beteuerte, daß es doch gar keinen Anlaß zur Eifersucht für sie gäbe, daß er niemals aufgehört habe oder aufhören werde, sie zu lieben, und sie noch mehr liebe, als je zuvor.
„Anna, wozu sollen wir uns beide so quälen?“ sagte er, ihr die Hände küssend. In seinen Zügen malte sich jetzt Zärtlichkeit und ihr schien es, als vernehme sie mit ihrem Ohr einen Klang von Thränen in seiner Stimme, als verspüre sie das Feuchte dieser Thränen auf ihrer Hand, und augenblicklich ging die verzweiflungsvolle Eifersucht Annas in eine verzweiflungsvolle, leidenschaftliche Zärtlichkeit über. Sie umfing ihn und bedeckte ihm Kopf, Hals und Hände mit Küssen.
25.
In dem Gefühl, daß die Aussöhnung eine vollständige war, beschäftigte sich Anna vom andern Morgen ab munter mit den Anstalten zur Abreise.
Obwohl noch gar nicht beschlossen war, ob man Montag oder Dienstag reisen würde, da beide sich gestern gegenseitig Konzessionen gemacht hatten, bereitete sich Anna eifrig auf die Abreise vor, jetzt vollkommen gleichgültig dem gegenüber, ob man früh oder spät am Tage abreiste. Sie stand eben in ihrem Zimmer vor einem geöffneten Schranke, und nahm Sachen heraus, als er bereits angekleidet, früher als gewöhnlich, bei ihr eintrat.
„Ich muß sofort zu maman fahren; sie kann mir das Geld durch Jegoroff übersenden. Morgen bin ich dann bereit zu reisen,“ sagte er.
Mochte sie nun auch noch so gut gelaunt sein, die Erwähnung der Abreise auf den Landsitz schnitt ihr ins Herz.
„O, auch ich beeile mich nicht,“ sagte sie, dachte aber sogleich: vielleicht ist es doch noch möglich, es so einzurichten, daß man thut wie ich wünschte. — „Nein, thu' wie du willst! Geh' in den Speisesalon, ich werde sogleich auch kommen und will nur noch diese überflüssigen Sachen herauslegen,“ sprach sie, noch etwas auf Annuschkas Arme packend, auf welchen bereits ein Berg Leinen ruhte.
Wronskiy verzehrte gerade sein Beefsteak, als sie in den Speisesalon trat.