Warum sie, während in ihrer Seele ein Sturm tobte, und sie fühlte, daß sie auf einem Wendepunkt ihres Lebens stehe, der furchtbare Folgen haben könne — warum sie sich während dieser Minute vor einem fremden Menschen verstellen mußte, der früher oder später ja doch alles erfahren würde, — sie wußte es nicht, sondern ließ sich, den Sturm in sich beschwichtigend, sogleich nieder und begann mit dem Besuch zu konversieren.

„Nun, wie steht es mit Eurer Angelegenheit; habt Ihr eine Schuldverschreibung erhalten?“ frug sie Jaschwin.

„Nicht der Rede wert. Mir scheint, daß ich nicht alles erhalten werde, ich muß Mittwoch verreisen. Wann reist Ihr?“ antwortete dieser, mit den Augen zwinkernd und Wronskiy anblickend. Er erriet augenscheinlich, daß ein Zwist obgewaltet hatte.

„Übermorgen wahrscheinlich,“ sagte Wronskiy.

„Ihr bereitet Euch übrigens schon seit Langem darauf vor.“

„Jetzt ist es jedoch beschlossen,“ sprach Anna, Wronskiy gerade ins Auge schauend, mit einem Blick, der diesem sagte, er solle nicht mehr an die Möglichkeit einer Aussöhnung denken. „Thut Euch denn dieser unglückliche Pjevzoff nicht leid?“ setzte sie dann ihr Gespräch mit Jaschwin fort.

„Ich habe mich noch nie gefragt, Anna Arkadjewna, ob mir etwas leid thut oder nicht. Hier ist mein ganzes Vermögen“ — er wies auf seine Seitentasche — „und jetzt bin ich ein reicher Mann. Heute fahre ich in den Klub, um ihn vielleicht als Bettler wieder zu verlassen. Wird mich doch jeder der sich mit mir zum Spiel niedersetzt, auch bis aufs Hemd ausplündern, so wie ich es mit ihm mache. Wir kämpfen eben miteinander — und darin liegt das Vergnügen.“

„Aber wenn Ihr nun verheiratet wäret,“ sagte Anna, „was würde da aus Eurer Frau.“

Jaschwin brach in Gelächter aus.

„Eben deshalb habe ich auch nicht geheiratet, mir dies auch niemals vorgenommen!“