Dolly trat mit dem Briefe ein. Anna las ihn und gab ihn schweigend zurück.
„Das habe ich alles gewußt,“ sagte sie, „und es interessierte mich nicht im geringsten.“
„Aber warum nicht? Ich, im Gegenteil, habe Hoffnung,“ sagte Dolly, Anna neugierig anblickend. Noch nie hatte sie diese in einem so seltsamen Zustande von Erbitterung gesehen, „wann fährst du?“ frug sie.
Anna schaute finster vor sich hin und antwortete ihr nicht.
„Versteckt sich Kity vor mir?“ sprach sie nach der Thür blickend und rot werdend.
„O, was das für Thorheiten sind! Sie läßt das Kind trinken, aber es glückt ihr nicht recht; ich habe ihr geraten — sie ist vielmehr sehr erfreut, und wird sogleich kommen,“ sagte Dolly etwas unsicher, da sie nicht zu lügen verstand. „Da ist sie ja!“ —
Nachdem Kity erfahren hatte, daß Anna gekommen sei, wollte sie nicht erscheinen, doch Dolly redete ihr zu. Nachdem sie sich gesammelt hatte, kam sie nun und trat errötend näher, Anna die Hand reichend.
„Ich freue mich sehr,“ sprach sie mit zitternder Stimme.
Kity war verwirrt gewesen über den Kampf, der in ihr vor sich ging, und zwischen der Feindschaft gegen dieses verworfene Weib, und dem Wunsche, entgegenkommend gegen es zu sein, schwankte sie, allein sobald sie das schöne sympathische Gesicht Annas erblickt hatte, war alle Feindseligkeit sogleich verschwunden.
„Ich würde mich nicht gewundert haben, wenn Ihr nicht wünschtet, mir zu begegnen. Ich bin an alles gewöhnt. Ihr seid krank gewesen? Allerdings, Ihr habt Euch verändert,“ sprach Anna.