Ohne nun jemand über das Werk zu befragen, und ungern und mit erheuchelter Gleichgültigkeit auf die Fragen seiner Freunde, wie dasselbe gehe, antwortend, ohne sich selbst bei den Buchhändlern nach dem Absatz zu erkundigen, verfolgte Sergey Iwanowitsch scharf und mit gespannter Aufmerksamkeit den ersten Eindruck, welchen sein Werk in der Gesellschaft und in der Litteratur hervorbrächte.
Aber es verging eine Woche, eine zweite, dritte, und in der Gesellschaft war kein Eindruck wahrzunehmen. Seine Freunde, Spezialisten und Gelehrte, begannen bisweilen, augenscheinlich aus Höflichkeit, von dem Buche zu sprechen, seine übrigen Bekannten aber, die sich nicht für ein Werk von gelehrter Richtung interessierten, sprachen gar nicht davon. In der Gesellschaft, welche besonders jetzt von anderen Dingen in Anspruch genommen war, herrschte völlige Gleichgültigkeit, und in der Litteratur erschien im Verlauf eines Monats gleichfalls kein Wort über das Buch.
Sergey Iwanowitsch berechnete bis in die Einzelheiten die Zeit, welche zur Abfassung einer Recension erforderlich war, aber es verging ein Monat, ein zweiter unter dem nämlichen Schweigen.
Nur im „Ssjevernyj Shuk“, in einem humoristischen Feuilleton über den Sänger Drabanti, welcher seine Stimme verloren hatte, waren so nebenbei einige geringschätzige Worte über das Buch Koznyscheffs gefallen. Dieselben zeigten, daß dieses schon längst allgemein verurteilt, dem allgemeinen Spott anheimgefallen war.
Erst im dritten Monat erschien in einem Journal ernster Richtung eine kritische Abhandlung. Sergey Iwanowitsch kannte sogar den Verfasser derselben; er war ihm einmal bei Golubzoff begegnet.
Der Verfasser der Abhandlung war ein sehr junger und bissiger Feuilletonist, höchst gewandt als Schriftsteller, aber außerordentlich wenig gebildet, und schüchtern in seinen persönlichen Beziehungen.
Ungeachtet seiner vollkommenen Verachtung für den Autor, machte sich Sergey Iwanowitsch gleichwohl mit vollkommenem Ernst an die Lektüre der Abhandlung. Die Kritik war höchst traurig.
Augenscheinlich hatte der Feuilletonist das ganze Buch gerade so aufgefaßt, wie es unmöglich aufgefaßt werden durfte. Er hatte aber so gewandt die Citate aus demselben zusammengestellt, daß es für diejenigen, welche das Buch nicht gelesen hatten — und offenbar hatte es fast niemand gelesen — vollständig klar wurde, das ganze Werk sei nichts anderes, als eine Sammlung hochtrabender Worte, die noch dazu nicht einmal in passender Weise angewendet worden waren — wie die Fragezeichen bewiesen — und der Verfasser des Buches ein völlig unwissender Mensch. Alles aber war dabei so geistreich, daß selbst Sergey Iwanowitsch sich diesem Scharfsinn gegenüber nicht ablehnend verhalten konnte — aber das alles war doch höchst traurig. —
Trotz der vollkommenen Gewissenhaftigkeit, mit welcher Sergey Iwanowitsch die Richtigkeit der Ausführungen des Recensenten prüfte, blieb er doch nicht eine Minute bei den Fehlern und Gebräuchen stehen, welche darin verspottet wurden, sondern begann sich sogleich unwillkürlich bis in die kleinsten Einzelheiten jene Begegnung und sein Gespräch mit dem Verfasser des Aufsatzes ins Gedächtnis zurückzurufen.
„Habe ich ihn irgendwomit beleidigt?“ frug sich Sergey Iwanowitsch, und indem er sich erinnerte, daß er bei jener Begegnung diesen jungen Mann, der mit einem Worte seine Unwissenheit dokumentiert hatte, korrigiert habe, fand er die Erklärung für die Tendenz der Abhandlung.