„Persönliche Meinungen bedeuten hier nichts,“ sagte Sergey Iwanowitsch, „es kommt nicht auf persönliche Meinungen an, wenn ganz Rußland — das Volk — seinen Willen geäußert hat.“

„Bitte recht sehr, aber das sehe ich nicht. Das Volk weiß was rechtes,“ sagte der Fürst.

„O Papa, warum das? Kommst du Sonntag mit in die Kirche?“ frug Dolly, die dem Gespräch zuhörte. „Gieb mir doch das Handtuch,“ wandte sie sich zu dem alten Herrn, der lächelnd auf ihre Kinder blickte. „Es kann doch nicht sein, daß alle“ —

„Was willst du denn am Sonntag in der Kirche? Man hatte den Geistlichen ersucht, eine Messe zu lesen. Er las sie. Die Leute aber haben nichts verstanden, sie seufzten, wie bei jeder Beichte,“ fuhr der Fürst fort. „Dann sagte man ihnen, daß man für den heiligen Zweck in der Kirche sammle. Nun, da holten sie denn ihre Kopeke hervor und gaben sie, wozu aber, das haben sie nicht gewußt.“

„Das Volk muß es wissen. Das Bewußtsein seines Geschickes lebt stets in einem Volke, und in Minuten, wie es die jetzigen sind, wird ihm dasselbe klar,“ sagte Sergey Iwanowitsch voll Überzeugung, nach dem alten Bienenzüchter schauend.

Ein schöner Greis, mit schwarzem, graumeliertem Bart und dichtem, silbernem Lockenhaar, stand dieser unbeweglich, eine Schale mit Honig haltend, freundlich und ruhig da, aus seiner vollen Größe auf die Herren herniederblickend, offenbar ohne Etwas zu verstehen, noch mit dem Wunsche darnach.

„So ist es,“ sagte er, ausdrucksvoll den Kopf schüttelnd, zu den Worten Sergey Iwanowitschs.

„Ja, fragt ihn nur! Er weiß nichts und denkt nicht,“ sagte Lewin. „Du hörst wohl, Michailitsch, wir sprechen von dem Krieg?“ wandte er sich an diesen. „Ihr habt das ja in der Kirche gelesen. Wie denkst du darüber? Müssen wir für die Christen kämpfen?“

„Was haben wir dabei mit zu denken? Aleksander Nikolajewitsch der Kaiser denkt für uns, er denkt für uns in allen Dingen. Ihm ist alles klarer. Soll ich nicht noch ein Stück Brot holen?“ wandte er sich an Darja Aleksandrowna, auf Grischa weisend, der soeben mit seiner Rinde fertig geworden war.

„Ich brauche eigentlich gar nicht zu fragen,“ sagte Sergey Iwanowitsch, „wir haben hunderte und aber hunderte von Menschen gesehen und sehen sie noch, die alles verlassen, um einer guten Sache zu dienen. Von allen Enden Rußlands kommen sie herbei, und äußern offen und klar ihre Gedanken und Absichten. Sie bringen ihr Erspartes mit oder kommen selbst und sagen rückhaltlos, warum. Was bedeutet dies nun?“