Als ich diese Stimme hörte und Mamas Augen voll Tränen sah, vergaß ich alles, und die liebe Mutter tat mir so leid, und die Trennung wurde mir so schwer, daß ich bange den Augenblick erwartete, wo die Reihe des Abschiednehmens an mich kommen würde. Ich fühlte und begriff in dieser Minute, daß Mama, als sie Papa umarmte, sich schon von uns verabschiedet hatte.
Dann küßte und segnete sie Wolodja so häufig, daß ich im Glauben, jetzt ebenfalls an die Reihe zu kommen, mich schon mehrmals vordrängte. Aber Mama segnete ihn immer wieder und drückte ihn ans Herz.
Endlich umarmte auch ich Mama, schmiegte mich fest an sie und weinte helle Tränen, nur an meinen Kummer denkend.
Als wir zum Wagen gingen, drängte das lästige Gesinde zum Abschiednehmen ins Zimmer. Ihr »Bitte das Händchen«, die schallenden Küsse auf die Schulter und der Fettgeruch von den Köpfen ärgerten mich fast bis zur Erbitterung, wie das bei sensitiven Naturen vorkommt. Unter dem Einfluß dieses Gefühls küßte ich Natalie Sawischna, als sie ganz in Tränen von mir Abschied nahm, sehr kühl auf die Haube.
Wunderbar, daß ich alle Gesichter des Gesindes noch jetzt so deutlich vor mir sehe, daß ich sie mit den kleinsten Einzelheiten zeichnen könnte; Mamas Gesicht und Stellung dagegen ist mir vollständig entschwunden. Wahrscheinlich rührt das daher, daß ich mir während der ganzen Zeit nicht einmal das Herz faßte, sie anzusehen. Mir schien, daß, wenn ich das täte, ihr und mein Schmerz unerträglich werden würde.
Ich stürmte zuerst in den großen Wagen, um niemanden mehr zu sehen, und setzte mich auf den Rücksitz. Obgleich ich wegen des Verdecks des Wagens nichts sehen konnte, sagte mir mein Gefühl, daß Mama noch hier sei.
Soll ich sie noch einmal küssen oder nicht? Na, zum letztenmal, sagte ich zu mir selbst und beugte mich aus dem Wagen zur Treppe. Im selben Augenblick trat Mama mit dem gleichen Gedanken an die andere Wagenseite und rief mich beim Namen. Beim Hören ihrer Stimme wandte ich mich um, aber so schnell, daß wir mit den Köpfen zusammenstießen; sie lächelte schmerzlich und küßte mich fest, zum letztenmal.
Ich wagte sie erst anzusehen, als wir schon einige Schritte gefahren waren. Der Wind lüftete ihr blaues Tuch, das sie beim Hinaustreten um den Kopf geschlungen hatte. Jetzt senkte sie den Kopf, bedeckte das Gesicht mit den Händen und ging langsam hinein. Foka stützte sie.
Papa saß neben mir, Wolodja – gegenüber. In seinen Augen war keine Spur einer Träne, aber er war blaß wie ein Taschentuch und schnitt bisweilen mit dem Munde schreckliche Grimassen. Ich wimmerte und schluchzte vor Tränen und dabei schnürte mir etwas die Kehle zusammen, daß ich zu ersticken fürchtete.