Papa sagte kein Wort und sah uns bisweilen teilnahmsvoll an; diese Teilnahme gefiel mir, und der Gedanke, daß meine Tränen Herz verrieten, machte mir Vergnügen und tröstete mich.
Ich setzte mich bequemer hin und betrachtete aufmerksam die nächsten Gegenstände vor meinen Augen – das Hinterteil des Beipferdes auf meiner Seite. Ich sah, wie es mit dem Schweif wedelte, wie ein Bein das andere streifte, wie die Peitsche des Kutschers es berührte und wie es aus dem Trab in Galopp verfiel; sah, wie der Längsriemen und an diesem Längsriemen die Schnallen hin- und herrutschten – sah so lange hin, bis sich das Geschirr an einigen Stellen mit Schaum bedeckte. Dann schaute ich in die Runde, auf die wogenden reifen Kornfelder, die dunkle Brache, auf der am Horizont ein Bauer mit Pflug und ein Pferd mit Füllen sichtbar wurden, und auf die Werstpfähle; blickte sogar auf den Kutschbock, um zu sehen, welcher Kutscher uns führe, und die Tränen in meinem Gesicht waren noch nicht getrocknet, als meine Gedanken schon weit von der Mutter schweiften, von der ich mich vielleicht für immer getrennt hatte.
Dennoch lenkte jede Erinnerung meine Gedanken zu ihr. Als wir zwanzig Werst gefahren waren, fiel mir ein, daß ich vor zwei Tagen im Garten einen kleinen Birkenpilz gefunden hatte. Ich hatte ihn nicht abgebrochen, sondern mit trockenen Blättern bedeckt, da ich warten wollte, bis er gewachsen wäre.
Jetzt fuhr ich fort und hatte ihn vergessen. Wer würde ihn pflücken? Vielleicht zertrat ihn der Gärtner, vielleicht fanden ihn Ljubotschka und Katja.
Dabei fiel mir ein, wie die beiden, besonders Ljubotschka, beim Abschied von uns geweint hatten.
Sie taten mir leid, und Natalie Sawischna ebenfalls, und die Birkenallee, und sogar die böse Mimi – alle, alle! Und die arme Mama. Tränen traten wieder in meine Augen, aber nicht für lange.
17. Die Kindheit.
Glückliche, selige, unwiederbringliche Tage der Kindheit! Wie soll man die Erinnerung an euch nicht hegen und pflegen! Sie erhebt und erquickt meine Seele und bildet für mich die Quelle der besten Genüsse.
Man hat sich müde gelaufen und sitzt matt auf seinem hohen Kinderstuhl am Teetisch; es ist schon spät, die Tasse Milch mit Zucker ist längst geleert, Schlaf fällt auf die Augen, aber man rührt sich nicht von der Stelle – sitzt da und hört und sieht.
Wie soll man nicht hören! Mama spricht mit jemandem, ihre Stimme klingt so lieb, so unbeschreiblich freundlich. Der bloße Klang sagt meinem Herzen so unendlich viel!