Als Katja gegangen war, verstummten wir beide, und auch alles um uns herum war stumm. Nur die Nachtigall schmetterte, so daß es durch den ganzen Garten schallte, doch nicht mehr so abgerissen und zaghaft wie vorhin, sondern auf ihre nächtliche Weise, ruhig und ohne Übereilung; eine zweite Nachtigall, die sich heute abend zum erstenmal vernehmen ließ, antwortete ihr aus der Schlucht. Die erste Nachtigall verstummte für eine Weile, als lauschte sie der anderen, und ließ dann noch lauter und mächtiger ihre hellen Triller erschallen. Majestätisch und ruhig klangen diese Stimmen durch ihre, uns fremde nächtliche Welt. Der Gärtner ging vorüber, um sich im Gewächshaus schlafen zu legen; seine Schritte in den schweren Stiefeln entfernten sich auf dem Gartenwege und verhallten. Am Fuße des Berges ließ jemand zweimal einen durchdringenden Pfiff erschallen, und alles wurde wieder still. Kaum hörbar regte sich das Laub, schwankte die Zeltleinwand der Markise; etwas Duftendes zog durch die Luft und verbreitete sich über die Terrasse. Es war mir peinlich, nach allem, was schon gesagt worden war, zu schweigen, aber ich wußte auch nicht, was zu sagen. Ich sah ihn an. Er richtete seine im Halbdunkel glänzenden Augen auf mich.
»Es ist so schön, auf dieser Welt zu leben!« sagte er.
Ich seufzte auf, ich wußte selbst nicht warum.
»Was?«
»Es ist so schön, auf dieser Welt zu leben!« sprach ich seine Worte nach.
Und wir schwiegen wieder, und ich fühlte mich wieder verlegen. Mir kam immer wieder der Gedanke, daß ich ihm wehgetan hätte, als ich zugegeben, daß er alt sei; ich wollte ihn trösten, wußte aber nicht, wie.
»Nun, leben Sie wohl,« sagte er, sich erhebend. »Meine Mutter erwartet mich zum Abendessen. Ich habe sie heute fast gar nicht gesehen.«
»Und ich wollte Ihnen gerade eine neue Sonate vorspielen,« sagte ich.
»Ein anderes Mal,« entgegnete er, wie mir schien, etwas kühl.