»Soll ich noch mehr holen lassen?« fragte ich. »Oder wollen Sie selbst welche holen?«
Er nahm den Teller, setzte die Puppen darauf, und wir begaben uns zu dritt zum Gewächshause. Ssonja lief uns lachend nach und zupfte ihn am Mantel, damit er ihr ihre Puppen zurückgebe. Er gab sie ihr wieder und wandte sich mit ernster Miene zu mir.
»Und Sie wollen kein Veilchen sein?« sagte er mir, immer noch leise, obwohl niemand in der Nähe war, den er hätte wecken können. »Als ich nach all dem Staub, der Hitze und Arbeit auf Sie zuging, da duftete es gleich nach Veilchen. Und zwar nicht nach den starkriechenden Gartenveilchen, sondern nach den anderen, ersten, dunklen, die nach tauendem Schnee und Frühlingsgrase riechen.«
»Ist in der Wirtschaft alles in Ordnung?« fragte ich ihn, um die freudige Verwirrung zu verbergen, die seine Worte in mir weckten.
»Ausgezeichnet! Diese Leute sind überall ausgezeichnet. Je mehr man sie kennt, um so mehr liebt man sie.«
»Ja,« sagte ich, »ehe Sie kamen, sah ich heute vom Garten aus den Arbeitern zu, und ich mußte mich plötzlich schämen, daß sie sich abmühen, während es mir so wohl ist, daß …«
»Kokettieren Sie nicht damit, liebes Kind,« unterbrach er mich, indem er mir plötzlich ernst, doch liebevoll in die Augen blickte. »Das ist eine heilige Sache. Behüte Sie Gott davor, damit zu kokettieren.«
»Aber ich sage es doch nur Ihnen.«
»Nun ja, ich weiß es. Wo sind aber die Kirschen?«
Das Gewächshaus war zugesperrt, und von den Gärtnern sah man niemand (er hatte sie alle aufs Feld hinausgeschickt). Ssonja lief fort, den Schlüssel zu holen; er wartete aber ihre Rückkehr nicht ab, stieg auf den Eckpfosten, hob das Drahtnetz ab und sprang hinüber.