»Der Mann kann sagen, daß er liebt, die Frau kann es aber nicht,« hatte sie gesagt.

»Mir scheint aber, auch der Mann kann und darf gar nicht sagen, daß er liebt,« hatte er eingewandt.

»Warum?« hatte ich gefragt.

»Weil es immer eine Lüge sein wird. Was ist das für eine neue Offenbarung, daß der Mensch liebt? Als ob in dem Augenblick, wo er das sagt, etwas einschnappte: fertig, er liebt! Als müßte in dem Augenblick, wo er dieses Wort ausspricht, irgend etwas Außergewöhnliches geschehen, irgendein Zeichen am Himmel erscheinen, als müßte ein Salut aus allen Kanonen erschallen. Mir scheint,« hatte er weiter gesagt, »daß die Menschen, welche feierlich die Worte: ›Ich liebe Sie‹ sprechen, entweder sich selbst oder, was noch schlimmer ist, die andern betrügen.«

»Wie soll dann die Frau erfahren, daß man sie liebt, wenn man es ihr nicht sagt?« hatte Katja gefragt.

»Das weiß ich nicht,« hatte er geantwortet. »Jeder Mensch hat seine eigene Ausdrucksweise. Wo aber ein Gefühl ist, da kommt es auch von selbst zum Ausdruck. Wenn ich einen Roman lese, so muß ich immer denken, was für ein verdutztes Gesicht die Leutnants Strelskij oder Alfred machen, wenn sie die Worte sprechen: ›Ich liebe dich, Eleonore!‹ und erwarten, daß plötzlich etwas Außergewöhnliches geschieht; es geschieht aber weder an ihr noch an ihm etwas, die Augen, die Nase usw. bleiben dieselben.«

Aus diesen scherzhaften Worten hatte ich schon damals etwas Ernstes herausgehört, was sich auf mich bezog; aber Katja wollte nicht dulden, daß er die Helden ihrer Romane so leichtfertig behandele.

»Ewig diese Paradoxen!« hatte sie gesagt. »Sagen Sie aufrichtig: haben Sie denn nie einer Frau gestanden, daß Sie sie lieben?«

»Das habe ich niemals gesagt und habe auch nie ein Knie vor einer Frau gebeugt,« hatte er lachend geantwortet, »und ich werde es auch niemals tun.«

– Er braucht mir wirklich nicht zu sagen, daß er mich liebt, – dachte ich nun, mich lebhaft an dieses Gespräch erinnernd. – Er liebt mich, ich weiß es. Und wenn er sich noch solche Mühe gibt, gleichgültig zu erscheinen, wird er mir diese Gewißheit doch nicht nehmen. –