»Haben Sie keine Angst,« sagte er lächelnd. »Ich will mich nur rechtfertigen. Als ich eben begann, wollte ich mit langen Betrachtungen kommen.«
»Wozu Betrachtungen anstellen!« sagte ich. »Das soll man niemals.«
»Ja, ich hatte es auch schlecht gemacht. Nach allen meinen Enttäuschungen, den Fehlern, die ich in meinem Leben begangen hatte, sagte ich mir, als ich diesmal aufs Land kam, so entschieden, die Liebe sei für mich zu Ende und es bleibe mir nur noch die Pflicht, mein Leben irgendwie abzuschließen übrig, daß ich mir lange Zeit keine Rechenschaft darüber gab, was eigentlich mein Gefühl gegen Sie sei und wohin es mich bringen könne. Ich hoffte und hoffte auch nicht. Bald schien es mir, daß Sie kokettieren, bald glaubte ich wieder, Sie seien aufrichtig, und ich wußte selbst nicht, was ich tun würde. Aber nach jenem Abend, Sie wissen doch, als wir nachts durch den Garten gingen, erschrak ich plötzlich, und mein jetziges Glück erschien mir viel zu groß und unmöglich. Nun, wie wäre es gekommen, wenn ich mir erlaubt hätte, zu hoffen, und zwar vergebens? Aber ich dachte natürlich nur an mich, denn ich bin ein ganz gemeiner Egoist.«
Er schwieg eine Weile und sah mich an.
»Aber es war auch nicht lauter Unsinn, was ich damals sagte. Ich durfte und mußte auch fürchten. Ich empfange von Ihnen so viel und kann Ihnen so wenig geben. Sie sind noch ein Kind, eine Knospe, die erst aufbrechen wird, Sie lieben zum erstenmal, während ich …«
»Ja, sagen Sie mir die Wahrheit …« begann ich, bekam aber plötzlich Angst vor seiner Antwort. »Nein, lieber nicht …«
»Ob ich schon einmal geliebt habe? Ja?« fragte er, meinen Gedanken sofort erratend. »Das kann ich Ihnen sagen. Nein, ich habe noch nicht geliebt. Ich habe noch nie etwas empfunden, was diesem Gefühl ähnlich wäre …« Aber plötzlich war es, als wenn ihn eine schwere Erinnerung durchzuckte. »Nein, ich müßte Ihr Herz haben, um Sie lieben zu dürfen,« sagte er traurig. »Nun, mußte ich es mir nicht vorher überlegen, ehe ich Ihnen sagen durfte, daß ich Sie liebe? Was gebe ich Ihnen? Meine Liebe, allerdings.«
»Ist denn das wenig?« fragte ich, ihm in die Augen blickend.
»Es ist wenig, meine Freundin, für Sie ist es zu wenig,« fuhr er fort. »Sie haben die Schönheit und die Jugend! Ich kann jetzt oft in der Nacht vor Glück nicht einschlafen und denke immer daran, wie wir zusammen leben werden. Ich habe schon viel gelebt und glaube das, was ich zum Glücke brauche, gefunden zu haben. Ein stilles, einsames Leben in unserer ländlichen Einöde, die Möglichkeit, den Menschen Gutes zu tun, solchen Menschen, denen es so leicht ist, Gutes zu erweisen, weil sie daran noch nicht gewöhnt sind; dann die Arbeit, die Arbeit, von der man Nutzen erwartet, dann Erholung, die Natur, Bücher, Musik, die Liebe zu den uns Nahestehenden, – das ist mein Glück, das höchste Glück, das ich mir ersehnte. Dazu noch eine solche Gefährtin wie Sie, vielleicht auch eine Familie und alles, was der Mensch sich nur wünschen kann.«
»Ja!« sagte ich.