Aber im gleichen Augenblick fing mein Herz heftiger zu klopfen an, meine Hand zitterte und drückte seine Hand zusammen, es wurde mir heiß, meine Augen suchten im Halbdunkel seinen Blick, und ich fühlte plötzlich, daß ich ihn nicht mehr fürchtete, daß diese Furcht die Liebe sei, eine neue, noch zärtlichere und größere Liebe als früher. Ich fühlte, daß ich ihm ganz gehörte, und daß ich über seine Gewalt über mich glücklich war.
Zweiter Teil.
I
Tage und Wochen, ganze zwei Monate des zurückgezogenen ländlichen Lebens vergingen, wie es mir schien, unbemerkt; und doch hätten die Gefühle, die Aufregungen und das Glück dieser beiden Monate für ein ganzes Leben genügt. Meine und seine Träume von unserem Landleben waren ganz anders in Erfüllung gegangen, als wir es erwartet hatten. Aber unser Leben war nicht schlechter, als unsere Träume. Es gab nichts von der ernsten Arbeit, von Pflichterfüllung, von Selbstaufopferung und vom Leben für die anderen, die ich mir ausgemalt hatte, als ich noch seine Braut gewesen; es war dagegen ein selbstsüchtiges Gefühl der Liebe zueinander, der Wunsch, geliebt zu werden, eine immerwährende, grundlose Heiterkeit und ein Vergessen aller Dinge auf der Welt. Er zog sich zwar wirklich manchmal in sein Kabinett zurück, um etwas zu tun, fuhr manchmal in Geschäften nach der Stadt oder ging aus dem Hause, um nach der Wirtschaft zu sehen; aber ich sah, was für Mühe es ihn kostete, sich von mir loszureißen. Er gestand mir später auch selbst, daß alles in der Welt, wenn ich nicht dabei sei, ihm so nichtig und unsinnig erscheine, daß er gar nicht verstehe, wie man sich damit überhaupt abgeben könne. Mit mir verhielt es sich ebenso. Ich las, trieb Musik, widmete mich der Schwiegermama und der Schule; doch ich tat es nur, weil jede dieser Beschäftigungen mit ihm zusammenhing und von ihm gutgeheißen wurde; aber wenn sich zu irgendeinem Tun der Gedanke an ihn nicht gesellte, so sanken mir die Hände in den Schoß, und es kam mir so komisch vor, daß es außer ihm auf der Welt noch etwas geben könne. Vielleicht war es ein schlechtes, selbstsüchtiges Gefühl, aber es gab mir Glück und hob mich über die ganze Welt empor. Nur er allein existierte für mich auf der Erde, ihn hielt ich aber für den herrlichsten und unfehlbarsten Menschen auf Erden; darum konnte ich für nichts anderes leben als für ihn, als um in seinen Augen das zu sein, für was er mich hielt. Er hielt mich aber für das erste und herrlichste Weib auf Erden, begabt mit allen möglichen Tugenden; und ich bemühte mich, in den Augen des ersten und besten Menschen auf der ganzen Welt so ein Weib zu sein.
Einmal trat er zu mir ins Zimmer, als ich gerade betete. Ich sah mich nach ihm um und betete weiter. Er setzte sich an den Tisch, um mich nicht zu stören, und schlug ein Buch auf. Aber es kam mir vor, als sähe er mich an, und ich wandte mich wieder um. Er lächelte, ich fing zu lachen an und konnte nicht mehr beten.
»Hast du schon gebetet?« fragte ich ihn.
»Ja. Fahre nur fort, ich will weggehen.«
»Du betest doch hoffentlich?«