»Sie gesteht wie eine Verbrecherin, was sie möchte,« sagte er mit einem gutmütigen Lächeln.

»Du hattest doch selbst gesagt, daß wir keine großen Gesellschaften besuchen würden, auch magst du so was nicht,« antwortete ich lächelnd und ihn flehend anblickend.

»Wenn du so große Lust hast gehen wir hin,« sagte er.

»Nein, wirklich, lieber nicht.«

»Hast du große Lust?« fragte er wieder.

Ich gab keine Antwort.

»Die große Welt ist noch kein Übel,« fuhr er fort, »aber die unbefriedigten Gelüste, die sie in uns weckt, sind schlimm und häßlich. Wir müssen aber unbedingt hin und werden es auch tun,« schloß er sehr bestimmt.

»Wenn ich dir die Wahrheit sagen soll,« entgegnete ich, »so wünsche ich in der ganzen Welt nichts so sehr, wie diesen Ball zu besuchen.«

Wir gingen auch hin, und der Genuß, den mir der Ball verschaffte, übertraf alle meine Erwartungen. Auf dem Balle hatte ich noch mehr als früher den Eindruck, ich sei der Mittelpunkt, um den sich alles bewegte, als sei dieser große Saal nur meinetwegen erleuchtet, als spiele die Musik nur für mich und als hätten sich alle diese Menschen versammelt, nur um mich zu bewundern. Alle, vom Friseur und der Zofe bis zu den Greisen, die durch den Saal gingen, schienen mir zu sagen und gaben mir zu fühlen, daß sie mich liebten. Das allgemeine Urteil, das sich über mich auf diesem Balle gebildet hatte und das ich von der Kusine zu hören bekam, lautete, daß ich allen anderen Damen gar nicht ähnlich sehe, daß an mir etwas Besonderes, Ländlich-Einfaches und Reizendes sei. Dieser Erfolg schmeichelte mir so sehr, daß ich meinem Mann ganz offenherzig sagte, wie gerne ich in diesem Jahre noch zwei oder drei Bälle besuchen möchte; »um sie ordentlich satt zu bekommen,« fügte ich nicht ganz aufrichtig hinzu.

Mein Mann willigte gerne ein und führte mich in der ersten Zeit mit sichtlichem Vergnügen auf die Bälle, freute sich über meine Erfolge und schien das, was er früher gesagt hatte, ganz vergessen zu haben oder es zu verleugnen.