Nach fünf Minuten schon hatte er aufgehört Gast zu sein und war wieder zu einem altvertrauten Familienmitglied geworden, wie für uns alle, so auch für das Hausgesinde, das sich, was man seiner Dienstfertigkeit ansah, über seine Ankunft besonders freute.
Er benahm sich ganz anders als alle Nachbarn, die nach dem Tode Mamas zu uns kamen und es für nötig hielten, während der ganzen Dauer des Besuchs zu schweigen oder uns zu bemitleiden; er war vielmehr sehr redselig, lustig und kam mit keinem Worte auf Mama zu sprechen, so daß diese Gleichgültigkeit seitens eines so nahe stehenden Menschen mir zuerst seltsam und sogar unpassend vorkam. Später begriff ich aber, daß dieses Gebaren keine Gleichgültigkeit, sondern eine besondere Herzlichkeit bedeutete, und ich war ihm dafür dankbar. Abends tranken wir im Wohnzimmer Tee; Katja schenkte wie bei Mamas Lebzeiten den Tee ein und saß auf ihrem alten Platz; Ssonja und ich setzten uns neben sie; der alte Grigorij brachte ihm Papas alte Pfeife, die er aufgefunden hatte, und er begann wie vor Zeiten im Zimmer auf und ab zu gehen.
»Wenn man es so bedenkt, welche furchtbaren Veränderungen in diesem Hause!« sagte er, stehen bleibend.
»Ja,« erwiderte Katja mit einem Seufzer. Sie deckte den Samowar zu und blickte Ssergej Michailytsch an, im Begriff, in Tränen auszubrechen.
»Sie können sich wohl noch Ihres Vaters erinnern?« wandte er sich an mich.
»Kaum,« antwortete ich.
»Wie gut hätten Sie es jetzt, wenn er noch am Leben wäre!« sagte er, indem er mir still und nachdenklich auf die Stirne blickte. »Ich habe Ihren Vater immer sehr lieb gehabt!« fügte er leiser hinzu, und es kam mir vor, als wären seine Augen noch glänzender geworden.
»Der Herr hat aber auch sie zu sich genommen!« sagte Katja. Sie legte eine Serviette auf die Teekanne, holte ihr Tuch aus der Tasche und fing zu weinen an.
»Ja, furchtbare Veränderungen in diesem Hause,« sagte er noch einmal, sich wegwendend. »Ssonja, zeig mal deine Spielsachen,« fügte er nach einer Weile hinzu und ging in den Salon. Als er fort war, sah ich Katja mit Tränen in den Augen an.