Mein Mann stand am anderen Ende des Wohnzimmers und sprach mit jemand.

»Nun, werden Sie kommen, Marie?« fragte die Kusine.

»Wir wollen übermorgen aufs Land,« antwortete ich unentschlossen und blickte meinen Mann an. Unsere Augen begegneten sich, und er wandte sich schnell weg.

»Ich will ihn überreden, zu bleiben,« sagte die Kusine, »und am Sonnabend gehen wir zur Gräfin, um allen die Köpfe zu verdrehen. Ja?«

»Das würde alle unsere Pläne über den Haufen werfen, und wir haben auch schon gepackt,« antwortete ich, nahe daran, nachzugeben.

»Das beste wäre, sie ginge heute abend selbst zum Prinzen, um ihm ihre Aufwartung zu machen,« sagte mein Mann vom anderen Ende des Zimmers in einem so gereizten Ton, wie ich ihn bei ihm noch nie gehört hatte.

»Ach, er ist eifersüchtig! Das hätte ich doch nicht erwartet!« rief die Kusine lachend. »Ich bitte sie ja nicht des Prinzen wegen, Ssergej Michailytsch, sondern weil wir es alle wünschen. Wie flehentlich hat mich doch die Gräfin R. darum gebeten!«

»Das hängt von ihr ab,« entgegnete mein Mann kühl und verließ das Zimmer.

Ich sah, daß er erregter war als sonst; dies quälte mich, und ich versprach der Kusine nichts. Als sie fort war, ging ich sofort zu meinem Mann. Er ging nachdenklich auf und ab und sah und hörte nicht, wie ich auf den Zehen zu ihm ins Zimmer trat.

– Er denkt schon an sein liebes Haus zu Nikolskoje, – sagte ich mir, ihn anblickend, – an den Morgenkaffee im hellen Wohnzimmer, an seine Felder und Bauern, an die Abende im Diwanzimmer und an unsere geheimen nächtlichen Mahlzeiten. Nein! – sagte ich mir sehr entschieden, – alle Bälle auf der Welt und die Schmeicheleien aller Prinzen gebe ich gerne für seine freudige Verlegenheit und seine stillen Liebkosungen hin! – Ich wollte ihm schon sagen, daß ich zu der Soiree nicht gehen würde, als er sich plötzlich umwandte, mich bemerkte und der sanfte und nachdenkliche Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand. Sein Blick drückte wieder Klugheit, Weisheit und eine gönnerhafte Ruhe aus. Er wollte nicht, daß ich ihn als einen gewöhnlichen Menschen sähe: er mußte unbedingt als Halbgott auf einem Piedestal vor mir stehen.