»Was hast du, liebes Kind?« fragte er, sich gleichgültig und ruhig an mich wendend.

Ich antwortete nicht. Mich verdroß es, daß er sich vor mir verstellte und nicht so bleiben wollte, wie ich ihn liebte.

»Willst du also am Sonnabend zu der Soiree?« fragte er.

»Ich wollte es,« antwortete ich, »aber du hast keine Lust. Auch ist ja schon alles gepackt,« fügte ich hinzu.

Noch nie hatte er mich so kalt angesehen, noch niemals so kalt mit mir gesprochen.

»Ich reise nicht vor Dienstag ab und werde die Sachen wieder auspacken lassen,« sagte er. »Darum kannst du auch die Soiree mitmachen, wenn du Lust hast. Geh bitte hin. Ich reise nicht ab.«

Wie immer, wenn er aufgeregt war, ging er mit ungleichen Schritten auf und ab und sah mich nicht an.

»Ich kann dich unmöglich verstehen,« sagte ich, ohne mich ihm zu nähern und ihn mit den Augen verfolgend. »Du sagst, daß du immer so ruhig seist (er hatte das niemals gesagt), warum sprichst du dann so merkwürdig mit mir? Ich bin bereit, dir dieses Vergnügen zu opfern, du aber verlangst von mir mit einer Ironie, mit der du zu mir noch niemals gesprochen hast, daß ich zu der Soiree gehe.«

»Nun, du bringst ein Opfer (er betonte dieses Wort ganz besonders), auch ich bringe ein Opfer; was kann man sich besseres wünschen? Es ist ein Wettstreit der Großmut. Kann man sich denn ein schöneres Familienglück denken?«

Ich hörte von ihm zum erstenmal so erbitterte und höhnische Worte. Sein Hohn beschämte mich nicht, sondern verletzte mich, und seine Erbitterung erschreckte mich nicht, sondern teilte sich auch mir mit. Kamen diese Worte wirklich von ihm, der sonst in unserem Verhältnis jede Phrase mied und immer so aufrichtig und einfach war? Womit hatte ich das verdient? Damit, daß ich ihm wirklich mein Vergnügen opfern wollte, in dem ich nichts Schlimmes erblicken konnte, und daß ich ihn erst vor einer Minute so gut verstanden und geliebt hatte! Wir hatten die Rollen getauscht: er vermied die einfachen und direkten Worte, während ich sie suchte.