»Du hast dich sehr verändert,« sagte ich seufzend. »Was habe ich gegen dich verbrochen? Es ist nicht der Abend bei der Gräfin, es ist etwas anderes, Altes, was du gegen mich im Herzen hast. Warum diese Unaufrichtigkeit? Hast du sie denn bisher nicht selbst immer gefürchtet? Sag mir ganz offen, was du gegen mich hast!« – Was wird er mir wohl sagen? – dachte ich mir, von der angenehmen Gewißheit erfüllt, daß ich mir im Laufe des ganzen Winters nichts zuschulden kommen ließ, was er mir vorzuwerfen hätte.

Ich trat in die Mitte des Zimmers, so daß er ganz nahe an mir vorübergehen mußte und sah ihn an. – Er wird auf mich zugehen, mich umarmen und damit wird alles enden, – ging es mir durch den Kopf, und es tat mir sogar leid, daß ich nicht dazu kommen würde, ihm zu beweisen, daß er im Unrecht sei. Aber er blieb am Ende des Zimmers stehen und sah mich an.

»Verstehst du noch immer nichts?« fragte er.

»Nein.«

»Dann will ich es dir sagen. Es ist mir ekelhaft, es ist mir zum erstenmal ekelhaft, was ich empfinde und was ich empfinden muß …« Er blieb stehen, sichtlich vom rauhen Ton seiner eigenen Stimme erschreckt.

»Was ist es denn?« fragte ich mit Tränen der Entrüstung in den Augen.

»Es ist ekelhaft, daß der Prinz dich hübsch findet, und daß du ihm darum nachlaufen willst, darüber deinen Mann, dich selbst und die weibliche Würde vergißt und nicht begreifen willst, was dein Mann an deiner Statt empfinden muß, wenn dir selbst das Gefühl der Würde abgeht; im Gegenteil, du kommst zu deinem Mann und sagst ihm, daß du ein Opfer bringst, d. h.: ›es ist für mich ein großes Glück, mich seiner Hoheit zu zeigen, aber ich bringe dieses Glück zum Opfer.‹«

Je länger er sprach, um so mehr geriet er in Feuer, und seine Stimme klang giftig, grausam und roh. Niemals hatte ich ihn so gesehen und von ihm so etwas auch nie erwartet; das ganze Blut schoß mir ins Herz, ich fürchtete mich, aber zugleich erregte mich das Gefühl einer unverdienten Beschämung und einer verletzten Eigenliebe, und ich fühlte den Wunsch, mich an ihm zu rächen.

»Ich habe das schon längst erwartet,« sagte ich, »sprich nur, sprich.«