»Ich glaube, die beiden werden in den Regen kommen,« sagte er.

»Ja,« sagte ich. Dann schwiegen wir beide lange.

Die Wolke senkte sich immer tiefer in der windstillen Luft, alles wurde stiller, duftender und unbeweglicher; plötzlich fiel ein Tropfen nieder und prallte von der Markise ab; ein anderer zerschellte auf dem Schotter des Gartenweges; dann klatschte es gegen die Pestwurzstauden, und bald ging ein frischer, immer stärker werdender Regen nieder. Die Nachtigallen und die Frösche waren ganz verstummt, das feine Rieseln ließ sich noch immer vernehmen, obwohl es beim Rauschen des Regens aus weiterer Ferne zu kommen schien; und irgendein Vogel, der sich wohl im welken Laub nicht weit von der Terrasse versteckt hielt, ließ in regelmäßigen Abständen seine zwei einförmigen Töne erklingen. Mein Mann stand auf und wollte fortgehen.

»Wo willst du hin?« fragte ich, um ihn zurückzuhalten. »Es ist so schön hier.«

»Man muß ihnen einen Regenschirm und Galoschen schicken,« antwortete er.

»Nicht nötig, der Regen hört gleich auf.«

Er stimmte mir bei, und wir blieben beide am Geländer der Terrasse stehen. Ich stützte den Arm auf einen nassen, glatten Balken und hielt den Kopf hinaus. Der kühle Regen tropfte mir auf Haar und Hals. Die Wolke über uns wurde immer heller und dünner und erschöpfte sich; an Stelle des gleichmäßigen Rauschens des Regens klangen bald nur noch die einzelnen Tropfen, die aus der Luft und von den Blättern fielen. Wieder schmetterten unten die Frösche, wieder regten sich die Nachtigallen, die einander von der einen und von der anderen Seite etwas zuzurufen begannen. Alles vor unseren Blicken war wieder heller geworden.

»Wie schön!« sagte er, sich auf das Geländer setzend und mit der Hand über mein nasses Haar streichend.

Diese einfache Liebkosung wirkte auf mich wie ein Vorwurf: ich war nahe daran, zu weinen.

»Was braucht der Mensch denn noch?« fragte er. »Ich bin jetzt so zufrieden, daß ich nichts mehr brauche! Ich bin vollkommen glücklich!«