»Dann wäre es nicht geschehen, daß ich, die ich keine Schuld vor dir trage, mit deiner Gleichgültigkeit, sogar mit deiner Verachtung gestraft worden wäre,« entfuhr es mir plötzlich. »Dann wäre es nicht geschehen, daß du mir plötzlich ohne jede Schuld von meiner Seite alles genommen hättest, was mir teuer war.«
»Was sagst du, liebes Kind!« rief er, als verstünde er meine Worte nicht.
»Nein, laß mich ausreden … Du hast mir dein Vertrauen, deine Liebe, sogar deine Achtung genommen; denn ich kann nicht glauben, daß du mich nach allem, was einst war, noch liebst. Nein, laß mich doch einmal aussprechen, was mich schon so lange quält,« unterbrach ich ihn wieder. »Ist es denn meine Schuld, daß ich das Leben nicht kannte, und daß du es mir überließest, meinen Weg allein zu suchen? … Ist es denn meine Schuld, daß du mich jetzt, wo ich schon selbst begriffen habe, was not tut, wo ich mich schon seit einem Jahre abmühe, zu dir zurückzukehren, von dir stößt, als verstündest du nicht, was ich will, und zwar so, daß man dir gar nichts vorwerfen kann, während ich allein schuldig und unglücklich bin?! Ja, du willst mich wieder in jenes Leben zurückstoßen, das mir und dir zum Unglück werden könnte.«
»Womit habe ich denn das gezeigt?« fragte er mit aufrichtigem Entsetzen und Erstaunen.
»Hast du mir denn nicht gestern noch gesagt und sagst du mir nicht immer, daß ich es hier nicht aushalten werde, daß wir für den Winter wieder nach Petersburg gehen müssen, das mir verhaßt ist?« fuhr ich fort. »Statt mich zu stützen, vermeidest du jede offene Aussprache mit mir, jedes aufrichtige, zärtliche Wort. Aber dann, wenn ich ganz gesunken bin, wirst du mir Vorwürfe machen und dich über meinen Fall freuen.«
»Wart, wart,« sagte er streng und kalt, »es ist nicht gut, was du jetzt sagst. Das beweist nur, daß du jetzt gegen mich eingenommen bist, daß du mich nicht …«
»Daß ich dich nicht liebe? Sag es doch, sag!« sprach ich seinen Satz zu Ende, und Tränen stürzten mir aus den Augen. Ich setzte mich auf die Bank und bedeckte mein Gesicht mit dem Taschentuch.
– So hat er mich also verstanden! – dachte ich und gab mir Mühe, das Schluchzen zu unterdrücken, das mich zu ersticken drohte. – Es ist mit unserer alten Liebe zu Ende, – sagte eine Stimme in meinem Herzen. Er ging nicht auf mich zu, er tröstete mich nicht. Er war durch meine Worte beleidigt. Seine Stimme war ruhig und trocken.