»Ich weiß nicht, was du mir vorwirfst,« begann er, »wenn es nur das ist, daß ich dich nicht mehr so liebe, wie ich dich früher liebte …«

»Ja, wie du mich liebtest!« sagte ich in das Taschentuch hinein, das die bitteren Tränen immer reichlicher netzten.

»So liegt es an der Zeit und auch an uns selbst. Jedes Alter hat seine eigene Liebe …« Er schwieg eine Weile. »Soll ich dir die ganze Wahrheit sagen, wenn du Aufrichtigkeit verlangst? Soll ich dir sagen, wie ich in jenem Jahre, als ich dich kennen lernte, manche schlaflose Nacht an dich dachte, wie ich selbst meine Liebe schuf, wie diese Liebe in meinem Herzen wuchs und wuchs, wie ich dann in Petersburg und im Auslande viele schreckliche Nächte schlaflos verbrachte um diese Liebe, die mich quälte, zerstörte und vernichtete? Ich zerstörte nicht sie, sondern nur das, was mich quälte; ich habe mich beruhigt, und doch liebe ich dich noch immer, aber mit einer anderen Liebe.«

»Ja, du nennst das Liebe, es ist aber eine Qual,« sagte ich. »Warum erlaubtest du mir, in der großen Welt zu leben, wenn sie dir so verderblich erschien, daß du mich um ihretwillen zu lieben aufgehört hast?«

»Es ist nicht die große Welt, liebes Kind,« sagte er.

»Warum hast du nicht von deiner Gewalt Gebrauch gemacht,« fuhr ich fort, »warum hast du mich nicht gebunden und getötet? Das wäre für mich besser, als alles zu verlieren, was mein Glück ausmachte, es wäre mir wohl, und ich müßte mich nicht so schämen.«

Ich fing wieder zu schluchzen an und bedeckte mein Gesicht mit dem Tuch.

In diesem Augenblick kamen Katja und Ssonja, lustig und durchnäßt, laut redend und lachend auf die Terrasse; als sie uns aber erblickten, verstummten sie und gingen sofort weg.

Als sie fort waren, schwiegen wir lange; ich hatte mich ausgeweint und fühlte mich erleichtert. Ich sah ihn an. Er saß, den Kopf in die Hand gestützt, und wollte etwas auf meinen Blick antworten; aber er seufzte nur schwer auf und stützte den Kopf wieder in die Hand.

Ich ging auf ihn zu und nahm seine Hand. Er sah mich nachdenklich an.