»Das Wichtigste hat sie mir verschwiegen,« sagte er lächelnd und schüttelte vorwurfsvoll den Kopf.

»Was soll ich darüber erzählen!« entgegnete ich. »Es ist sehr langweilig und wird sich auch bald geben.« (Mir schien in jenem Augenblick nicht nur, als müßte meine Langeweile vorübergehen, sondern als wäre sie schon vorübergegangen und würde niemals wiederkehren.)

»Es ist nicht gut, wenn man die Einsamkeit nicht ertragen kann,« sagte er. »Sind Sie denn ein Fräulein?«

»Natürlich bin ich ein Fräulein,« antwortete ich lachend.

»Nein, Sie sind ein schlechtes Fräulein, das nur dann lebendig ist, solange man es bewundert, und das den Mut sinken läßt und zu nichts mehr Lust hat, sobald es allein geblieben ist; alles nur als Schauspiel für die anderen, und nichts für sich selbst.«

»Eine nette Meinung haben Sie von mir!« sagte ich, nur um etwas zu sagen.

»Nein!« versetzte er nach kurzem Schweigen. »Nicht umsonst sehen Sie Ihrem Vater ähnlich. Es steckt etwas in Ihnen …« Sein freundlicher, aufmerksamer Blick schmeichelte mir wieder und brachte mich in freudige Verlegenheit.

Erst jetzt entdeckte ich in seinem, im ersten Moment lustig scheinenden Gesicht, diesen einzigen, nur ihm allein eigentümlichen Blick, der anfangs heiter schien und dann immer forschender und sogar etwas traurig wurde.

»Sie dürfen und können sich nicht langweilen,« sagte er. »Sie haben Ihre Musik, für die Sie Verständnis haben, Ihre Bücher, Ihr Studium, Sie haben ein ganzes Leben vor sich, auf das Sie sich nur jetzt vorbereiten können, um es später nicht zu beklagen. Nach einem Jahr wird es schon zu spät sein.«

Er sprach zu mir wie ein Vater oder wie ein Onkel, und ich fühlte, daß er sich fortwährend die Mühe gab, sich wie meinesgleichen zu geben. Es kränkte mich, daß er auf mich eigentlich von oben herabsah, und es war mir zugleich angenehm, daß er sich mir zuliebe bemühte, als ein anderer zu erscheinen.