Von Zeit zu Zeit nur hörte man in den Reihen das Getöse eines schweren Geschützes, das Klirren aneinanderschlagender Bajonette, unterdrücktes Plaudern und das Schnauben der Pferde.

Die Natur atmete seelenbeschwichtigend Schönheit und Kraft.

Ist den Menschen wirklich das Leben zu eng in dieser schönen Welt, unter diesem unermeßlichen Sternenhimmel? Kann inmitten dieser bezaubernden Natur in der Seele des Menschen das Gefühl der Bosheit, der Rache oder der leidenschaftliche Trieb der Vernichtung von Seinesgleichen fortbestehen? Alles Ungute im Herzen des Menschen müßte, meine ich, sich verflüchtigen bei der Berührung mit der Natur – diesem unmittelbaren Ausdruck des Schönen und Guten.

VII

Wir waren schon mehr als zwei Stunden zu Pferde, mich durchrieselte ein Frostschauer und ich hatte Neigung zum Schlafen. In der Finsternis sah ich dieselben dunklen Gegenstände unklar vor mir: in geringer Entfernung die schwarze Wand, schwarze bewegliche Flecke; ganz nahe neben mir die Kruppe eines Schimmels, der mit dem Schweife wedelte und die Hinterfüße breit auseinander setzte, einen Rücken in weißer Tscherkeska, über dem eine Flinte in schwarzem Futteral zu sehen war und der weiße Griff einer Pistole in einem gestickten Pistolenschuh schimmerte; das Feuer einer Cigarette, das einen blonden Schnurrbart, einen Biberkragen und eine Hand in einem Lederhandschuh beleuchtete. Ich neigte mich zu dem Halse meines Pferdes, schloß die Augen und versank einige Augenblicke in Träume; da plötzlich traf bekannter Hufschlag und Rauschen mein Ohr: ich sah mich um, und mir war's, ich stünde fest auf einem Platz und die schwarze Wand, die vor mir lag, komme auf mich zu, oder diese Wand stünde fest, und ich ritt gerade auf sie zu. In einem dieser Augenblicke überraschte mich das herannahende, dumpfe Getöse, dessen Ursache ich nicht zu erraten vermochte, noch stärker – es war das Rauschen des Wassers. Wir gelangten in eine tiefe Schlucht und näherten uns einem Bergfluß, dessen Überschwemmungszeit gerade den Höhepunkt erreicht hatte.[H] Das Getöse wuchs, das feuchte Gras wurde dichter und höher, die Sträucher wurden seltener, der Horizont wurde enger und enger. Von Zeit zu Zeit leuchteten auf dem dunklen Hintergrunde der Berge an verschiedenen Stellen helle Feuer auf und erloschen sofort wieder.

[H] Die Ueberschwemmungszeit der Flüsse im Kaukasus ist der Juli.

Sagen Sie mir, bitte, was sind das für Feuer? fragte ich flüsternd den Tataren, der neben mir ritt.

Ei, weißt du das nicht? antwortete er.

Nein.