Geschieht ihm recht, sagte Leutnant O., er hat die anderen alle tüchtig gerupft. Es war gar nicht zu spielen mit ihm.

Erst hat er alle gerupft, und nun ist er in die Luft geflogen – dabei schlug der Stabskapitän Sch. ein gutmütiges Lachen an. Der Guskow wohnt bei ihm, den hätte er beinahe auch verspielt, wahrhaftig, ist's nicht wahr, Väterchen? wandte er sich an Guskow.

Guskow lachte. Sein Lachen war traurig und schmerzlich und veränderte seine Züge vollkommen. Bei dieser Veränderung war es mir, als müßte ich diesen Menschen früher einmal gekannt und gesehen haben, zudem war mir sein eigentlicher Name, Guskow, nicht fremd. Aber wie und wann ich ihn gekannt, und wo ich ihm begegnet war, dessen konnte ich mich durchaus nicht erinnern.

Ja, sagte Guskow und hob dabei unaufhörlich die Finger zu seinem Schnurrbart, ließ sie aber wieder sinken, ohne ihn zu berühren. Pavel Dmitrijewitsch hat in diesem Feldzuge kein Glück gehabt, eine solche veine de malheur – fügte er mit etwas mühsamer, aber reiner französischer Aussprache hinzu, und dabei war es mir wieder, als hätte ich ihn schon irgendwo gesehen. – Ich kenne Pavel Dmitrijewitsch genau, er vertraut mir alles an, fuhr er fort.

Wir sind alte Bekannte, d. h. er hat mich gern, fügte er hinzu, offenbar erschrocken über die allzu kühne Behauptung, daß er ein alter Bekannter des Adjutanten sei. Pavel Dmitrijewitsch spielt vortrefflich, jetzt – merkwürdig, was mit ihm vorgeht – jetzt ist er ganz außer sich, la chance a tourné, fügte er hinzu, vornehmlich zu mir gewandt.

Wir hatten Guskow anfangs mit höflicher Aufmerksamkeit zugehört, sobald er aber noch diese französische Redensart ausgesprochen hatte, wandten wir uns unwillkürlich von ihm ab.

Ich habe tausendmal mit ihm gespielt, und Sie werden mir doch zugeben, es ist sonderbar, sagte der Leutnant mit besonderer Betonung des Wörtchens sonderbar: ich habe nicht ein einziges Mal mit ihm gewonnen, nicht einen Abas. Warum gewinne ich mit anderen?

Pavel Dmitrijewitsch spielt vorzüglich, ich kenne ihn schon lange, sagte ich. Wirklich kannte ich den Adjutanten schon mehrere Jahre, hatte ihm schon oft zugesehen bei seinem Spiel, das für die Verhältnisse der Offiziere hoch zu nennen war, und war immer entzückt gewesen von seinen schönen, ein wenig düsteren und stets unveränderten Zügen, seiner gedehnten, kleinrussischen Aussprache, seinen schönen Sachen und Pferden, seiner gemessenen südrussischen Ritterlichkeit und besonders von seiner Kunst, das Spiel so schön, klar, verständlich und anmutig zu führen. Manchmal – ich bekenne es reuig – wenn ich seine vollen weißen Hände mit dem Brillantring am Zeigefinger betrachtete, die mir eine Karte nach der anderen schlugen, wurde ich wütend über diesen Ring, über die weißen Hände, über die ganze Persönlichkeit des Adjutanten, und es tauchten schlimme Gedanken gegen ihn in mir auf; wenn ich aber dann mit ruhigem Blute überlegte, überzeugte ich mich, daß er einfach ein gewandterer Spieler war als alle die, mit denen er gerade spielte. Wenn man seine allgemeinen Betrachtungen über das Spiel hörte, darüber, wie man kein Paroli biegen dürfe, wie man von einem kleinen Einsatz zu einem größeren fortschreiten, wie man in gewissen Fällen passen müsse, wie es eine erste Spielregel sei, nur mit Barem zu spielen u. s. w., wurde es einem immer klarer, daß er nur darum stets im Gewinnen war, weil er geschickter und kaltblütiger war, als wir alle. Und jetzt zeigte sich, daß dieser zurückhaltende, selbstsichere Spieler während des Feldzugs alles bis auf den letzten Heller verloren hatte, und nicht nur Geld, sondern auch Sachen, was für einen Offizier den äußersten Grad des Spielverlusts bedeutet.

Mit mir geht es ihm immer verteufelt, fuhr der Leutnant O. fort, ich habe mir schon das Wort gegeben, nicht mehr mit ihm zu spielen.

Was sind Sie für ein komischer Kauz, Väterchen, sagte Sch., zwinkerte mir mit dem ganzen Kopfe nickend zu und wandte sich an O. Sie haben 300 Moneten an ihn verloren, nicht wahr, soviel haben Sie verloren?