Ei, wie du bist, meinte der Bruder lächelnd.
Aber hauptsächlich, weißt du, Bruder, fuhr der Jüngere lächelnd und errötend fort, als hätte er etwas sehr Verschämtes zu sagen: das ist alles Unsinn; hauptsächlich habe ich deshalb drum gebeten, weil man sich doch schämt, in Petersburg zu leben, wenn hier die Menschen fürs Vaterland sterben. Und dann, es verlangte mich auch, mit dir zusammen zu sein, fügte er noch schüchterner hinzu.
Wie komisch du bist! rief der ältere Bruder, indem er seine Cigarrentasche hervorholte, ohne ihn anzusehen. Es ist nur schade, daß wir nicht zusammen sein werden.
Aber sage mir die Wahrheit, ist es so schrecklich auf den Bastionen? fragte plötzlich der Jüngere.
Anfangs ist's schrecklich, dann gewöhnt man sich daran, und es ist weiter nichts. Du wirst selber sehen.
Aber sag' mir noch das Eine: was glaubst du, wird man Sewastopol nehmen? Ich glaube, es wird niemals genommen.
Gott weiß.
Nur das Eine ist ärgerlich ... Stelle dir vor, welches Unglück ich gehabt habe: unterwegs ist uns ein ganzes Bündel gestohlen worden, darin war auch mein Tschako, so daß ich jetzt in einer fatalen Lage bin und nicht weiß, wie ich mich melden soll.
Koselzow der Zweite, Wladimir, war seinem Bruder Michail sehr ähnlich, aber die Ähnlichkeit war die einer blühenden Rose mit einer abgeblühten Heckenrose. Er hatte auch blondes Haar, aber es war dicht und an den Schläfen gelockt. Auf seinem weißen zarten Nacken hatte er ein blondes Zöpfchen – ein Zeichen des Glücks, wie die Ammen sagen. Auf seiner zarten weißen Gesichtsfarbe lag nicht immer, sondern loderte nur von Zeit zu Zeit ein vollblütiges jugendliches Rot auf, das jede Regung der Seele verriet. Er hatte dieselben Augen wie sein Bruder, aber seine waren offener und heller, und das kam hauptsächlich daher, weil sie häufig von einer leichten Feuchtigkeit bedeckt waren. Ein blonder Flaum sproßte auf den Wangen und über den roten Lippen, die sich sehr häufig zu einem schüchternen Lächeln falteten und die weißen glänzenden Zähne sehen ließen. Wie er so in seiner hohen Gestalt mit seinem breiten Rücken, in dem offenen Mantel, unter dem ein rotes Hemd mit einem schrägen Kragen hervorschimmerte, mit der Cigarette in der Hand an das Geländer der Treppe gelehnt, mit der naiven Freude in den Zügen und im Gebaren, vor seinem Bruder stand, war er ein so angenehmer, hübscher junger Mann, daß man ihn immer hätte anschauen mögen. Er freute sich außerordentlich mit dem Bruder, betrachtete ihn mit Achtung und Stolz und sah in ihm einen Helden; aber in mancher Beziehung, z. B. in Hinsicht der weltlichen Bildung, des Französischsprechens, des Verkehrs mit gesellschaftlich hochstehenden Leuten, des Tanzens u. s. w. schämte er sich ein wenig für ihn, sah von oben auf ihn herab und hatte sogar die Hoffnung, ihn womöglich fortzubilden. Alle seine Eindrücke waren noch petersburgisch, sie stammten aus dem Hause einer Dame, die hübsche junge Leute gern hatte und ihn an den Feiertagen zu sich zu laden pflegte, und aus dem Hause eines Senators in Moskau, wo er einmal auf einem großen Balle getanzt hatte.