Er zog die Beine in die Höhe, bewegte die Zehen mit vermehrter Schnelligkeit hin und her und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen.
Wir müssen ihn verlassen, sagte flüsternd die Schwester, mit Thränen in den Augen, er befindet sich schon sehr schlecht.
Noch auf der Nordseite hatten die Brüder beschlossen, auf die fünfte Bastion zu gehen; als sie aber die Nikolajew-Batterie verließen, beschlossen sie, – als ob sie sich verabredet hätten, sich keiner unnützen Gefahr anzusetzen, ohne daß sie nur ein Wort miteinander darüber gesprochen hatten, – jeder einzeln zu gehen.
Aber ... wie wirst du dich zurechtfinden, Wolodja? sagte der Ältere. Übrigens kann dich Nikolajew nach der Korabelnaja begleiten, ich werde allein gehen und morgen bei dir sein.
Weiter wurde kein Wort gesprochen bei diesem letzten Abschied der beiden Brüder.
XI
Der Kanonendonner dauerte mit der früheren Stärke fort, aber die Katharinenstraße, durch die Wolodja mit dem ihm schweigend folgenden Nikolajew ging, war still und öde. In der Dunkelheit sah er nur die breite Straße, mit den weißen, an vielen Stellen zertrümmerten Mauern großer Häuser, und das Steintrottoir, auf dem er ging; bisweilen trafen sie Soldaten und Offiziere. Er ging auf der linken Seite der Straße und sah bei dem Schein eines hellen Feuers, das hinter einer Mauer brannte, die längs des Trottoirs gepflanzten Akazien mit ihren grünen Pfählen und ihren verkümmerten, bestaubten Blättern. Deutlich hörte er seine Schritte und die Nikolajews, der hinter ihm ging und schwer atmete. Er dachte an nichts. Die hübsche Schwester, Marzows Bein mit den beweglichen Zehen unter dem Strumpf, die Dunkelheit und die mannigfachen Formen des Todes zogen traurig an seinem Geiste vorüber. Seine ganze junge, eindrucksfähige Seele krampfte und preßte sich zusammen unter dem Einflusse des Gefühls der Verlassenheit und der allgemeinen Gleichgültigkeit gegen sein Schicksal in der Gefahr! »Ich kann getötet werden, Qualen erdulden, leiden, und niemand weint um mich.« Und all das statt des thatenreichen und bewunderten Lebens eines Helden, das er sich so herrlich ausgemalt hatte. Näher und näher platzten und pfiffen die Bomben. Nikolajew seufzte noch häufiger, ohne jedoch das Schweigen zu unterbrechen. Als er über die Brücke ging, die nach der Korabelnaja führte, sah Wolodja, wie unweit von ihm etwas pfeifend in die Bucht flog, auf eine Sekunde die blauen Wellen purpurrot beleuchtete und dann mit Schaum wieder in die Höhe flog.
Sieh, sie ist nicht erstickt! ... rief heiser Nikolajew.