Ja, antwortete er ganz unwillkürlich und sich selbst unerwartet mit dünner, piepsender Stimme.
Sie begegneten Tragbahren mit Verwundeten und wiederum Regimentswagen mit Schanzkörben. Auf der Korabelnaja trafen sie ein Regiment, und Reiter ritten vorüber. Einer von ihnen war ein Offizier in Begleitung eines Kosaken. Er ritt im Trab, als er aber Wolodja bemerkte, hielt er neben ihm, sah ihm ins Gesicht, wandte um, gab dem Pferde einen Schlag und ritt davon. »Allein, allein; es ist allen ganz gleichgültig, ob ich da bin oder nicht,« dachte der Jüngling und hatte ernstlich Lust zu weinen.
Er schritt bergauf, an einer weißen Mauer vorüber, und kam in eine Straße zerstörter, unaufhörlich von Bomben beleuchteter Häuschen. Da stieß er auf ein betrunkenes, zerlumptes Weib, das mit einem Matrosen aus einem Pförtchen herauskam.
Denn, w–w–wenn er ein Ehrenm–m–mann w–wäre, – lallte sie – pardon, Ew. Wohlgeboren, Herr Offizier!
Dem armen Jüngling ward das Herz immer mehr und mehr bedrückt; und am schwarzen Horizont flammten immer häufiger Blitze auf, und immer häufiger pfiffen und krachten Bomben in seiner Nähe. Nikolajew seufzte auf und begann plötzlich, wie es Wolodja schien, mit bestürzter, gepreßter Stimme:
Und da haben sie sich beeilt, das Gouvernement zu verlassen! Hierher, nur hierher! ... Das verlohnt sich gerade!
Warum nicht, der Bruder ist ja jetzt wieder gesund, antwortete Wolodja, in der Hoffnung, wenigstens durch ein Gespräch das schreckliche Gefühl, das ihn beherrschte, zu verscheuchen.
Gesund ... Schöne Gesundheit, wenn er ganz und gar krank ist!? Auch wer wirklich gesund ist, thäte am besten, in solcher Zeit im Lazarett zu leben. Giebt's hier etwa viel Freude? Entweder wird einem das Bein oder der Arm abgerissen – das ist alles! Ein Unglück ist schnell geschehen! Hier, in der Stadt, ist es noch nicht so wie auf der Bastion, dort geht es wahrhaft schrecklich zu. Wenn man geht, thut man weiter nichts, als beten. Sieh, die Bestie, wie sie an einem vorbeihuscht! fügte er hinzu, und richtete seine Aufmerksamkeit auf einen nahe vorbeisausenden Bombensplitter. Jetzt hat man mir befohlen, fuhr Nikolajew fort, Ew. Wohlgeboren zu führen. Wie's unsereinem geht, das weiß man ja: was befohlen wird, muß man ausführen; da überläßt man dem ersten besten Soldaten den Wagen, und das Bündel ist offen. Aber du geh, geh mit; und was an Sachen verloren geht – Nikolajew, steh dafür ein!
Noch einige Schritte weiter, und sie kamen auf einen Platz. Nikolajew schwieg und seufzte.
Da steht Ihre Artillerie, Ew. Wohlgeboren! sagte er plötzlich, fragen Sie den Posten, er wird Ihnen den Weg zeigen.