Als Wolodja einige Schritte weiter gegangen war, hörte er die Seufzertöne Nikolajews nicht mehr hinter sich.

Er fühlte sich plötzlich vollständig, ganz und gar allein. Dieses Bewußtsein der Vereinsamung in der Gefahr vor dem Tode, wie er glaubte, lag ihm wie ein entsetzlich schwerer, kalter Stein auf der Brust. Er blieb mitten auf dem Platze stehen und schaute sich um, ob ihn nicht jemand sehe, griff sich an den Kopf, sprach vor sich hin und dachte mit Entsetzen: »Herr Gott! Bin ich denn ein Feigling, ein elender, abscheulicher, niedriger Feigling – gilt es nicht das Vaterland, den Zaren, für den ich gestern noch mit Wonne zu sterben wähnte? Nein, ich bin ein unglückliches, bejammernswertes Geschöpf!« Und mit einem wahren Gefühl der Verzweiflung und der Enttäuschung über sich selbst, fragte Wolodja den Posten nach dem Hause des Batteriekommandeurs und ging in der Richtung, die er ihm wies.

XII

Die Wohnung des Batteriekommandeurs, die ihm der Posten gezeigt hatte, war ein kleines, zweistöckige Haus, mit dem Eingange vom Hofe her. Durch das mit Papier verklebte Fenster schimmerte das schwache Licht einer Kerze. Der Bursche saß auf der Außentreppe und rauchte seine Pfeife. Er ging dem Batteriekommandeur Meldung zu machen und führte Wolodja ins Zimmer. Im Zimmer standen, zwischen zwei Fenstern, unter einem zerbrochenen Spiegel, ein mit amtlichen Papieren über und über bedeckter Tisch, einige Stühle und eine eiserne Bettstelle mit reiner Bettwäsche und einem kleinen Teppich davor.

Dicht an der Thür stand ein hübscher Mann mit starkem Schnurrbart – der Feldwebel, mit dem Seitengewehr und einem Mantel, auf dem ein Kreuz und die Medaille für den ungarischen Feldzug hingen. In der Mitte des Zimmers ging ein kleiner, etwa vierzigjähriger Stabsoffizier, mit einer verbundenen, geschwollenen Backe, in einem dünnen, alten Mantel hin und her.

Ich habe die Ehre, mich zu melden, zur fünften Leichten kommandiert, Fähnrich Koselzow II! sagte Wolodja seine eingelernte Phrase her, als er ins Zimmer trat.

Der Batteriekommandeur beantwortete kühl seinen Gruß und forderte Wolodja, ohne ihm die Hand zu geben, auf, sich zu setzen.

Wolodja ließ sich schüchtern auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch nieder und spielte mit einer Schere, die ihm in die Hand fiel. Der Batteriekommandeur ging, mit gesenktem Kopf, die Hände auf dem Rücken, unaufhörlich, ohne ein Wort zu sprechen, im Zimmer auf und nieder, mit dem Aussehen eines Menschen, der sich etwas in Erinnerung rufen will, und warf nur von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Hände, die mit der Schere spielten.