Alle waren einverstanden. Kraut schnitt Papierstreifen, rollte sie zusammen und warf sie in eine Mütze. Der Kapitän scherzte dabei und entschloß sich sogar bei dieser Gelegenheit, den Oberst um Branntwein zu bitten, »um tapfer zu bleiben«, wie er sich ausdrückte. Djadjenko saß finster da, Wolodja lächelte, Tschernowizkij behauptete, es werde bestimmt ihn treffen. Kraut war vollständig ruhig.

Wolodja ließ man zuerst wählen. Er nahm einen Papierstreifen, der war sehr lang; da fiel es ihm ein, einen andern zu wählen, – er zog einen zweiten, kleineren und dünneren, entfaltete ihn und las: »gehen«.

Ich! sagte er seufzend.

Nun, mit Gott. So bekommen Sie bald Ihre Feuertaufe, sagte der Kommandeur, indem er mit einem gutmütigen Lächeln dem Fähnrich in das verlegene Gesicht sah, machen Sie sich nur bald fertig. Und damit Sie sich nicht langweilen, wird Wlang als Feuerwerker mit Ihnen gehen.

XX

Wlang war mit diesem Befehl außerordentlich zufrieden, er machte sich schnell fertig, um Wolodja zu helfen, und redete ihm zu, das Bett, den Pelz, eine alte Nummer der »Vaterländischen Annalen«, die Spiritusmaschine zum Kaffeekochen und andere unwichtige Dinge mitzunehmen. Der Kapitän riet Wolodja, zunächst im »Handbuch«[E] den Abschnitt über das Schießen aus Mörsern zu lesen und sich die Schießtabellen herauszuschreiben. Wolodja ging sofort ans Werk und bemerkte zu seiner Verwunderung und Freude, daß, obwohl das Gefühl der Furcht vor der Gefahr und noch mehr davor, sich feig zu erweisen, ihn noch immer ein wenig beunruhigte, dies doch nicht in dem Grade der Fall war, wie am Abend vorher. Zum Teil lag das an den Eindrücken des Tages und seiner Thätigkeit, zum Teil, und zwar zum größeren Teil daran, daß die Furcht, wie jedes starke Gefühl, nicht lange in gleichem Grade dauern kann. Mit einem Worte, er war schon so weit, daß er den Furchthöhepunkt hinter sich hatte. In der siebenten Stunde, da sich eben die Sonne hinter der Nikolajewkaserne verbarg, kam der Feldwebel zu ihm mit der Meldung, die Leute seien bereit und warten.

[E] »Handbuch für die Offiziere der Artillerie« von Bezaque.

Ich habe »Wlanga« die Namensliste übergeben. Belieben Sie, ihn zu fragen, Euer Wohlgeboren! sagte er.

Zwanzig Artilleristen mit Seitengewehren, ohne Lederzeug, standen an einer Ecke des Hauses. Wolodja ging mit dem Junker an sie heran. Ob man ihnen eine kleine Rede hält oder einfach sagt: Wünsch' euch Gesundheit, Kinder! – oder sagt man gar nichts? dachte er. Aber warum soll man nicht einfach sagen: Wünsch' euch Gesundheit! Das ist sogar das Richtige. Und er rief keck mit seiner klangvollen, jugendlichen Stimme: Wünsch' euch Gesundheit, Kinder!