Er nimmt ein Buch aus der Tasche, worin all die Papiere vorgedruckt sind, die er nachzusehen hat. Er hat schon viele Schiffe untersucht und alles Verdächtige eingetragen. S. M. S. »Seeadler« bekommt jetzt auch seine Seite im Buch, hoffentlich mit guten Nummern. Und so, wie er die Papiere aufruft, lege ich sie ihm vor, worauf er immer verständnisvoll nickt. Währenddessen sah sich der andere Offizier den König Eduard an und die schönen Landschaften und verglich respektvoll das Bild meiner Frau mit dem Original. Draußen kicherten die Matrosen und kriegten ihr Zielwasser, der Mann am Grammophon zog immer wieder die Tipperarywalze auf, daß bloß keine Pause dareinkam, ich hörte meine Leute lachen und sprechen, währenddessen schob ich dem Offizier einen Beleg nach dem andern hin: er schaute kaum mehr darauf und schrieb: »All right, thats all right, captain.« Zwischendurch spuckte ich einmal kräftig in den Salon und reichte weiter: »Here, please, mister officer, please here.« Die Stimmung war überall vorzüglich, es funktionierte buten und binnen.

Wenn der Mann ahnte, daß er auf Bajonettspitzen stand! Denn unten warteten ja meine deutschen Jungs in voller Uniform mit aufgepflanztem Seitengewehr.

Neben mir stand mein Adjutant Pries, der den ersten Steuermann darstellte, eine kolossale, echt norwegische Gestalt. Mit ernstem Gesicht stand er da und spielte seine Rolle hervorragend.

»Where are your Cargo Papers?« fragte der Engländer. Der Steuermann ging langsam hin und holte sie. Denn dazu ist er da. Der Kapitän darf nicht alles selber tun. Pries brachte also unsere einzigen Papiere, in welchen nicht mit Tintentod gearbeitet worden war; darin stand die Ladung genau spezifiziert. Es war bescheinigt, daß sie für die englische Regierung in Australien bestimmt wäre. Unterschrift: »Jack Johnson, british vice-consul.«

»Captain, your papers are all right.«

»Ich freue mich so, daß meine Papiere in Ordnung sind, das sollen sie ja wohl auch!« und da erlebe ich den ersten Versager. In der Freude rutscht mir der Priem weg, ich will ihn stoppen, kann aber nur die Geschwindigkeit abbremsen und fühle, wie er langsam die Speiseröhre hinunterläuft. Ich muß ihn niederkämpfen, damit der Engländer nicht merkt: dem Kapitän wird übel. Wie kann ein alter Norweger seekrank werden! Nun will er das Logbuch sehen, mein Steuermann Lüdemann bringt es heran. Der Engländer sieht es genau durch. Verflixt, daß wir drei Wochen stillgelegen haben! Hiervon hängt dein Schiff ab. Der Mann muß mit Vertrauen erfüllt werden, und nun dieser innere Kampf. Immer rauf und runter in der Speiseröhre. Lieber in Nacht und Eis, als dies erleben. Um mich abzulenken, bemerke ich zu Lüdemann: »Solch einen Kameelhaarüberhang mit Kapuze, wie der Offizier hat, müßten wir auch haben gegen die Kälte.«

»Nein,« sagte der Offizier, »gegen die Nässe.«

Der Engländer beschäftigt sich lange mit dem Logbuch, mit der Vorreise, mit dem Ankerlichtmotor, den wir bekommen haben, und fragte: »Was ist denn hier, warum haben Sie drei Wochen da gelegen?«

Ich, der ich mit dem Priem herumarbeite, fühle das Entsetzen über diese Frage und denke: Nun ist alles zu Ende. Da fällt Lüdemann trocken ein: »Jawohl, wir sind vom Reeder gewarnt worden, nicht auszulaufen wegen der deutschen Hilfskreuzer.« Wie wohl wird mir über die Unerschrockenheit dieses einfachen Mannes. Der Offizier stutzt, wendet sich nach mir um mit der Frage: »Deutsche Hilfskreuzer? Wissen sie etwas über deutsche Streitkräfte?«

»Jawohl,« sag ich, und zu mir selbst: »Jetzt wirst du dem Kerl mal was einschenken.« (Ich fühlte mich auch im Magen etwas beruhigt, seit mein Lüdemann in die Bresche sprang.) »Wissen Sie gar nichts von ›Möwe‹ und ›Seeadler‹? Fünfzehn deutsche Unterseeboote sind außerdem unterwegs, so haben wir vom Reeder gehört. Wir waren doch selber besorgt, weil wir englische Ladung haben. Deshalb sind wir unterrichtet.«