Ich kam den nächsten Tag wieder, brachte ihm einen Priem Kautabak mit und lernte bei ihm das Wriggen. Er riet andauernd dringend ab. »Du sallst nich to See gahn.« Allgemach kam ich so weit, daß ich ihm das Fahren abnehmen konnte, und wriggte für ihn die Passagiere, während er den Kaffee kochte. So wurden wir Freunde. »Meine Eltern wissen noch nicht, daß ich fortgelaufen bin,« sagte ich, »aber ich will nicht zurück, denn wenn ich wieder auf die Schule gehe, dann weiß ich schon, wie es kommen wird; in Obertertia heben sie mich zum Militär aus, lange bevor ich das Einjährige habe.«

»Jung, Jung, lat dat Schipfohren sin. Bliev hier, min Jung.«

Er versicherte mir wiederholt, das Fahren wäre unmöglich, ich müßte die Erlaubnis dazu beibringen und zwei- bis dreihundert Mark für die Ausrüstung. Heutzutage würde aus den Schiffsjungen nur Geld gemacht und dergleichen.

Ich ließ mich aber nicht abbringen. Als ich nun am fünften Tag morgens wieder zu ihm kam, da winkte er mir schon von ferne und rief mir freudestrahlend zu:

»Jung, ik hev en Schip för di. Ik hev ’n russischen Kaptein översett nah sin Schip. Ik hevn fragt, ob he en düchtigen Jung hebben wull. ›Ja, gern,‹ seggt de Kaptein, ›wenn he kein Heuer[2] hebben will.‹

›He will bloot en Schip,‹ harr ik seggt. ›Denn lat em man an Bord kamen,‹ seggt de Kaptein.«

Am liebsten hätte ich oll Pedder bei dieser Nachricht umarmt.

»So min Jung, jetzt bring ik di röver op dat russische Bullschip ›Niobe‹ un stell di vör.«

Der russische Kapitän machte einen wenig vertrauensvollen Eindruck auf mich, sah gelb und häßlich aus, halb Mephisto, halb Napoleon III., mit einem fiesigen Ziegenbart.

»Du kannst mitkommen,« sagte er in gebrochenem Deutsch. »Finde dich morgen ein.«