Der Kapitän hatte anfangs geglaubt, als die Granate auf 500 bis 600 Meter vor ihm einschlug, es sei ein Walfisch, und hatte deshalb keine Notiz genommen. Durch unsere Gläser erkennen wir, daß ein weibliches Wesen sehr nervös an Deck hin- und herläuft. Das Prisenboot wird ausgesetzt, und unser höflicher Prisenoffizier, der es außerordentlich versteht, durch sein korrektes Verhalten, seine riesige, imposante Erscheinung und sein ruhiges Wesen aufgeregte Gemüter zu beruhigen, tröstet ritterlich die junge Frau. Obwohl wir anfangs nicht sehr angenehm berührt waren, bei unserm rauhen Handwerk zartes Geschlecht an Bord zu bekommen, so hat uns doch diese junge Frau mit ihrem sonnigen Wesen manche Abwechslung gebracht. Sie wurde auch sehr verwöhnt und genoß jede Bequemlichkeit, und sie selbst war in keiner Weise verzagt, sondern betrachtete auch dieses Flitterwochenereignis vom sportlichen Standpunkt. Den »Percé« zu versenken, war schwierig, da er Klippfisch geladen hatte; wir schossen ihn leck und ließen ihn treiben; er muß dann durch Vollsaugen mit Wasser schließlich weggesunken sein.

»... Schiff auf Schiff wurde so versenkt.«

Schiff auf Schiff wurde so versenkt, viele tausend Tonnen lagen bereits auf dem Meeresboden, als der Ausguck eines Morgens wieder einmal »Dampfer achteraus« ruft. Man erkennt ein großes Schiff, das mit äußerster Kraft das Meer durchfurcht. Wir bleiben zunächst Segelschiff und bitten wie üblich um Chronometerzeit. Der Dampfer reagiert nicht darauf, er denkt sich erst, »laßt diesen Windjammer anderswo seine Uhrzeit herholen«. Aber wir hatten andere Mittel, unser Rauchapparat tritt in Tätigkeit. Schwarze Rauchwolken mit rotem Magnesiumfeuer steigen aus dem Schiff, so daß es den Eindruck erweckt: »Das Schiff brennt.« Der Dampfer reagiert, er kommt auf uns zu, wir vermindern den Rauch. Vorbereitung zu »Klar Schiff«, d. h. 30 meiner Jungs liegen mit Gewehren hinter der Bordwand, so daß sie von außen nicht zu sehen sind. Vier weitere stehen in Zivil an Deck. »Jeanette, mak di kloar!« In weißem Kleid und blonder Perücke, die hell in der Tropensonne leuchtet, wandelt sie an Deck. Oben, 50 Meter hoch auf der obersten Rahe, im Vor-, Groß- und Kreuzmast stehen diejenigen meiner Jungs, welche die kräftigste Stimme im Leibe hatten, ein Megaphon, ein weittönendes Sprachrohr zur Hand. Wir verhielten uns zunächst als neutrales Schiff, um den Dampfer nahe herankommen zu lassen, und auch festzustellen, ob es nicht unter Umständen ein feindlicher Hilfskreuzer wäre. Die alte Kanone war maskiert durch den Schweinestall.

»... Wir verhielten uns noch als neutrales Schiff.«

Als der Dampfer quer ab ist, ruft der dicke Kapitän ganz nah herüber: »Was ist los mit euch?«

Keine Antwort. Wir drehen den Rauchaugust zu.