Die Offiziere und Mannschaften werfen Stielaugen auf die schöne Frau des Segelschiffskapitäns und denken bei sich: »Der hat einen feinen Geschmack.« Der Dampfer liegt günstig und dicht heran. Jetzt ist der Moment ihn zu fangen.

»Klar Schiff zum Gefecht.« Kriegsflagge und Kommandozeichen gehen hoch, der rotweiße Freibeuter wird geheißt. Wir waren das einzige Schiff des Weltkrieges, das unter Piratenwimpel fuhr. Es ist dies ein meterlanger, roter, schmaler Wimpel, der am Ende einen weißen Totenkopf führt. Fürchterlich! Jeanette reißt die Druckknöpfe ihres Kleides auf, steht im Nu als blauer Junge da und winkt mit der Perücke.

Ein Entsetzen! Auf dem Dampfer ruft alles »Germans, Germans.« Die Heizer aus dem Heizraum und die Maschinisten aus dem Maschinenraum stürzen an Deck, alles rennt an die Rettungsboote, es entsteht ein Wirrwarr, denn wer hätte geahnt, daß dieser harmlose Segler ein Hilfskreuzer sei? Da plötzlich fällt ein Schuß. Unsere alte Kanone schießt und trifft die drahtlose Station; der Dampfer ist nicht mehr in der Lage, Notsignale zu geben. Der Kapitän arbeitet am Maschinentelegraph hin und her, um mit äußerster Kraft vorauszugehen, aber vergeblich, das Maschinenpersonal ist an Deck. Zu bewundern ist doch der Kapitän, der mit gewaltiger Kommandostimme seine Befehle durchdrückt. Wir sehen Leute nach hinten laufen und vermuten, daß es Geschützmannschaften sind, welche die Geschütze klar machen wollen. Die Gelegenheit durfte man ihnen nicht geben. Im selben Augenblick brüllen aus dem Mast drei kräftige Stimmen durchs Megaphon diesen Bullen von Dampfer an, daß der Schall wie ein lautes Echo zurückprallt:

»Klar bei Torpedos!!«

Vielstimmig ruft es zurück vom Dampfer »No torpedos, no torpedos!«, und jeder fühlt, daß im nächsten Moment drei Torpedos in den Schiffsbauch gejagt werden. Alles, was weiß an Bord ist, wird geschwenkt, Tischtücher, Handtücher, und der Koch wedelt mit seiner weißen Schürze.

»Bleibt so liegen, sonst bekommt ihr Torpedos!«

Keiner muckste mehr, und schnell war unser Boot mit Prisenoffizier und 15 Mann zu Wasser und ruderte nach dem Dampfer. Nun war er in unserer Gewalt. Der Offizier und die Mannschaften werden herüber geholt. Welch ein herrliches Schiff! Die eleganten Saloneinrichtungen, die wunderbaren Teppiche, die Klubsessel, alles rüber auf den Piraten. Ein Steinway-Flügel, ein Harmonium, warum sollten die Instrumente versenkt werden, da sie doch in unserer Abgeschlossenheit Freund und Feind erquicken konnten? Hatten wir nicht an Bord unter der Mannschaft einen der besten Violinspieler Bayerns?

Eine Prise als Übungsscheibe.