Als wir die Landungspapiere nachsahen, fanden wir, daß der Dampfer eine Ladung von vielen Millionen beherbergte, unter anderm auch 2000 Kisten Champagner »Veuve Cliquot«, 500 Kisten Kognak »Meukow«. »An die Arbeit!« Auch dieser Riese wurde durch Sprengbombe versenkt und er steuerte seinen letzten Kurs rückwärts, den Bug aus dem Wasser in die Tiefe. Der Kapitän, der mittlerweile sich umgesehen hatte, tritt auf mich zu und fragt: »Kommandant, ist das alles, was Sie an Bord haben, die alte Kanone?«

»Jawohl!«

»Wo sind Ihre Torpedos?«

»Torpedos? Wir haben keine Torpedos, für euch genügten Lufttorpedos, die wir mit der Stimme rüberschießen.«

»No Torpedos?«

Sein Gesicht war zu rot, um blaß zu werden, es wurde blau, und seine Augen schauen mich entsetzt an: »By Jove, Commander, don’t report that, please.« (Melden Sie das, bitte, nicht.)

Weiter ging es nach Süden.

Es ist eine wundervolle Tropennacht. Die lustige Piratenschar sitzt infolge der herrlichen Beute froh zusammen. Vorn alles bei Sekt, hinten alles bei Sekt. Die Sternlein blinken uns an. Der Mond, das olle Gesicht, schmunzelt uns zufrieden zu, die Wellen murmeln um den Bug. Voll stehen die Segel. Mittschiffs spielt die Kapelle auf Cello, Violine, Harmonium und Steinway-Flügel das Lied »Ach, lieber Südwind blas«, während uns der Südwind anhaucht. Obwohl wir umringt sind von Feinden, ist die Natur um uns so versöhnt. Die Gefangenen stehen vor Ehrfurcht still, als von den Planken des Piratenschiffes die wunderbaren Melodien aufsteigen. Dazu um sie die zauberhafte Stimmung der Tropennacht. Hier hören sie die Instrumente, die bei ihnen nur zur Zierde standen, wie sie von Künstlerhand gerührt werden. Wir genossen die Nacht, denn wir wußten nicht, was uns die nächsten Tage bringen würden, ob wir nicht dann schon ein paar tausend Meter tiefer lägen, denn unsere Verteidigungswaffen waren so gering. Wir waren guter Dinge, denn unser Gewissen war frei. Zwar ist der Mensch dazu auf der Welt, andern wohlzutun, und wir raubten Schiffe. Wir waren Piraten gegen die Nationen, mit denen das Vaterland in schwerem Kampfe lag. Welch menschlicher Krieg aber war es, den wir führten, verglichen mit dem Hungerkrieg der Engländer gegen unsere Frauen und Kinder daheim! In diesem rauhen Zeitalter hielten wir die deutsche Ehre rein. Aus dieser frohen Daseinsstimmung werden wir plötzlich herausgerissen, als der Ausguck ruft: »Licht an Steuerbord«.

Halloh! ein Licht! Weg die Trinkgläser, das Augenglas in die Hand! Tatsächlich, man sieht in dem hell erleuchteten Mondhorizont einen stolzen Dreimaster. Hart Steuerbord! Wir drehen auf ihn zu. Wir selbst können nicht erkannt werden, da wir an der dunklen Seite des Horizontes sind. Durch Lichtsignal fordern wir auf:

»Drehen Sie bei, großer deutscher Kreuzer.«