»Cambronne«, das Freiheitsschiff.

Jetzt kamen auch für uns die größeren Gefahren, denn mit dem Augenblick, in dem die Gefangenen landeten, würde der Feind erfahren, daß ein deutsches Segelschiff als Hilfskreuzer auf der See tätig wäre. Da wir nun im Großen Ozean unser Revier suchen wollten, kam es darauf an, einen weiten Vorsprung zu gewinnen und die »Cambronne« nicht zu früh in Rio de Janeiro eintreffen zu lassen. Deshalb kappten wir die oberen Masten, so daß das Schiff nur Untersegel führen und somit unter günstigen Bedingungen erst in etwa 10 bis 14 Tagen Rio de Janeiro erreichen konnte. Mit allen Segeln im Topp steuerten wir unter frischer Brise nach Süden.

Wir Deutsche waren wieder unter uns auf dem geräumigen Schiff. Der nicht seemännische Leser kann sich wohl kaum vorstellen, wie lange sich der Seemann auf der Fahrt beglückt und zufrieden fühlt, ohne Land zu sehen. Er entbehrt nichts, weil das Meer ihn unterhält und mit ihm spricht. Darum ist er selbst auch so wortkarg. Er sieht das Meer vor sich in seinem ewig neuen, niemals eintönigen Ausdruck, jede Windstärke gibt ein neues Bild, selbst die Windstille, die vielleicht dem Seemann, der nach Hause steuert, das Unangenehmste ist, hat ihre Reize, wenn der gewaltige Ozean wie flüssiges Blei leicht dünt. Stundenlang kann man, an die Bordwand gelehnt, diesem Spiel der Wellen zusehen, die verschiedenen Reflexe beobachten, wenn das Meer jetzt in wundervollem Sonnenschein leuchtet, dann wieder durch eine Wolke verdunkelt wird. Es hat etwas Träumerisches an sich, es vertieft den Menschen und ist ihm die schönste Unterhaltung.

Ein Sonntag an Bord.

Wundervoll ist die Nacht auf dem Meere. Ringsum kühles Dämmern und das Meer weithin als weiße, leuchtende Fläche, lebendig, leicht aufgepeitscht, bald verdunkelt und bald vom Mond, der durch die Wolken bricht, wieder erhellt. Wenn ein Schiff stark überliegt, gleißen die Segel in schneeweißem Licht, die ganze Takelage erscheint vergrößert; plastisch hebt das Mondlicht die Schatten der Taue aus den Segeln heraus. Eine weiche Stimmung ergreift den Seemann, wenn er in einer solchen Nacht unter dem Mast an Deck in der Hängematte liegt, den klaren Sternhimmel über sich, der an Land, wo der weite Überblick fehlt, nie so zu beobachten ist wie in der Wüste und auf dem Meer. Die Mastspitzen fegen am Himmel hin und her, die gleichmäßige Bewegung des Schiffes schläfert ein, und unmerklich naht sich der Übergang vom Wachen zum tiefen, ruhigen Schlaf.

Einer der schönsten Reize auf der See ist ein Sturm bei Sonnenschein, wenn die Sonne dem Wasser die verschiedenen Farben gibt, wenn die schwere See heranrollt, der Sturm die weißen Wellenköpfe auseinanderkämmt und weiß getigerte Streifen von Welle zu Welle sich bilden. Dazu das tiefe Azurblau des Wassers. Vor dem Schiff zerschlägt die Welle und läuft in eine weiße Gischtmasse aus. Bald ruht das Schiff auf Wellenköpfen, bald taucht es ins Tal, und die Welle steht hoch über ihm.