Es gibt zuweilen furchtbare Gewitter auf See, wahnsinnige Blitze, gewaltiges Donnern. Schlägt ein Blitz ins Wasser, wie ein Peitschenschlag, so setzt augenblicklich eine Wassersäule, dünn und scharf wie ein Rasiermesser, meterhoch aus der getroffenen Stelle empor. Wenn man in solchen schwarzen Gewitternächten oben auf dem Mast ist, und plötzlich schlägt ein Blitz hernieder und erleuchtet das ganze Seefeld grell, wird man stark geblendet und verliert die Sicherheit. Enorme Wassermengen stürzen aufs Meer, die gewaltigen Regengüsse schlagen die See nieder. Wenn das frische Wasser vom Himmel herabströmt, dann phosphoresziert das Meer wie eine glänzende Fläche und das Kielwasser wird erleuchtet von unzähligen Infusorien; in seinen Wirbeln entsteht ein Streifen, der sich wie ein goldenes Band hinzieht.
Wir hatten keine Sorgen um Kohlen, der Wind war unser Freund, die Natur mit uns im Bunde. Wir hatten alles, was wir brauchten.
Wir segeln an den Falklandsinseln vorbei, über die Gräber unserer gefallenen Helden von »Scharnhorst«, »Gneisenau«, »Leipzig« und »Nürnberg«. Die Achtersegel backgebraßt; die Trauerflagge halbstock gesetzt, senken wir als einzige Kameraden, die über ihnen stehen, ein eisernes Kreuz mit den Grüßen von den Lieben aus der Heimat und dem Dank des Vaterlandes in die Tiefe zu den Gräbern, die 6000 Meter unter uns liegen. Das Denkmal taucht in die Tiefe, und weiter geht’s; wir durften uns nicht lange aufhalten.
Auf dem Weg nach Kap Horn fingen wir den Funkspruch eines britischen Kreuzers auf: »Ich warne Sie! Steuern Sie frei von Fernando Noronha; dort liegt die ›Möwe‹.«
Ich dankte ihm.
(Einen Gruß über die Wasser, du unsichtbare, ferne deutsche »Möwe«!)
Kurz vor Kap Horn passierten wir einen gewaltigen Eisberg. Wir wußten aus der Segelanweisung, daß in dieser Jahreszeit die Gegend durch Eisberge gefahrvoll war, und hatten überall scharfen Ausguck. Ein starker Temperaturwechsel und viele Vögel anderer Art, als man sie sonst dort findet, ließen uns auch die Nähe eines solchen Eisriesen vermuten. Eines Morgens sahen wir im Grau der Dämmerung weit vor uns an Steuerbord den gewaltigen Berg, mit sonderbarem Rollen auf- und niedergehend. Er war viele Meter hoch und doch nur mit einem Neuntel seiner Größe über Wasser ragend. Seine eigenartigen Umrisse wechselten mit jeder Ansicht; an den zerklüfteten Stellen leuchtete er grünlich bis tiefblau. Es war der einzige Eisberg, dem wir begegneten.
Vor dem Sturm.