Dann begann der Kampf um Kap Horn, die Heimat der Stürme. Dreieinhalb Wochen haben wir mit Orkanen gerungen. Was wir mühselig durch tagelanges Aufkreuzen erreicht hatten, verloren wir durch wiedereinsetzende Stürme oft in wenigen Stunden. Das Schiff arbeitete unablässig und schwer. Gewaltige Wellen, wie sie nur Kap Horn kennt, rollten über Deck, die Segel rissen zu Fetzen und das Deck wurde mehrmals eingeschlagen. Ruhelos saßen meine Jungs im Zwischendeck beim Segelnähen. Es war ein harter Kampf zwischen dem Vernichtungswerk des Wetters und dem fieberhaften Streben der Männer. Welche mühselige Arbeit, mit der Nadel und schwerem Segelhandschuh bei dem zu Kehr gehenden Schiff das dicke Segeltuch zu nähen! Mancher Stich ging in die Hand. Keine schlaflosen Nächte wurden gescheut, wir brauchten Segel, und wenn der Sturm sie auch noch so oft zerriß. Immer wieder wurden am nächsten Morgen die zerrissenen Segel ab- und die in der Nacht genähten untergeschlagen. Beim Sturm geht nicht wie auf einem Dampfer alles unter Deck, sondern alles in die Masten. Selbst bei gewöhnlichem Wetter müssen ja zu jeder Kursänderung über 20 Grad alle Mann der Wache an die Taue ran, um die 24 Segel herumzudrehen.
Nach dem Sturm.
Wo ein Wille ist, da ist ein Weg: Kap Horn war umkämpft.
Wir sind glücklich, diese stürmische Ecke hinter uns zu haben. Da meldet am 26. April der Ausguck einen der britischen Hilfskreuzer, die hier bereits auf uns lauerten. Augenblicke höchster Spannung kommen: Hat er uns gesehen? Alle Mann an Deck! Mit hart Backbord das Schiff herumgerissen! Alles, was wir an Segeln setzen konnten, wird gesetzt, der Motor eingekuppelt und vom Wind ab, was aus dem Schiff herauszuholen war, gen Süden. Die Takelage stand zum Brechen. Alles was Gläser hat, sitzt in den Masten und beobachtet mit aufgeregtem Pulsschlag den Kreuzer, denn wenn Englands Wächter den einsamen Deutschen entdeckt, ist unsere Freiheit verloren. Leicht diesiges Wetter half uns und so kamen wir schnell aus Sicht. Unser Auge war wachsamer und schärfer als das des Feindes. Es gehört wohl mit zu den schönsten Stunden an Bord unseres Schiffes, als wir dieses Entkommen vor dem Feind feierten. In der Nacht segelten wir dann wieder nördlich und unter günstigem Wind steuerten wir in den Stillen Ozean.
Eines Morgens bringt unser tüchtiger Funkentelegraphist ein sonderbares, englisches Telegramm folgenden Inhalts:
»›Seeadler‹ mit wehenden Flaggen untergegangen. Kommandant und ein Teil der Mannschaft als Gefangene auf dem Weg nach Montevideo.«
Was heißt denn das? Der Engländer lügt nicht ohne Grund und Zweck. Die Nachrichten vom »Seeadler«, die sich durch die abgesetzten Gefangenen verbreitet hatten, beunruhigten die Schiffahrt stark, da man uns beim Kap Horn wie beim Kap der Guten Hoffnung vergeblich aufgelauert hatte. In Kapstadt und Südamerika, in Australien und Neuseeland lagen die vollbefrachteten Schiffe in den Häfen still und wagten nicht auszulaufen. Die Versicherungsraten stiegen. Um sie wieder herabzudrücken, funkte der Engländer unsern Untergang durch die Welt. Das nationale Interesse hat ihm stets höher gestanden als die Wahrheit.
Auf einen Schelmen muß man anderthalbe setzen. Wir funkten also drahtlos hinaus: »Hilfe, Hilfe, deutsches U-Boot.«