Infolgedessen tauchten jetzt überall Gerüchte auf, daß U-Boote im Pazifik kreuzten. Die Versicherungsraten kamen wieder ins Steigen.
Dritter Teil.
Dreizehntes Kapitel.
Schiffbruch und Robinsonleben.
Längs der Küste Südamerikas, vorbei an Juan Fernandez, wo wir dauernd in naher funkentelegraphischer Verbindung mit dem englischen Kreuzer »Kent« standen, steuerten wir über den Großen Ozean an den Marquesasinseln vorbei herauf bis Honolulu, ohne ein Schiff gesehen zu haben. Wir verlegten jetzt unsere Kreuzerfahrt in den Track der Segelschiffe, die zwischen San Franzisko und Australien fahren. In der Nähe der Weihnachtsinseln dauernd auf dem Äquator hin- und herkreuzend, den wir zeitweise zwei- bis dreimal am Tage schnitten, kaperten wir noch drei amerikanische Segler: »A. B. Johnson«, »Slade« und »Manila«. Die Ausbeute hatte aber nicht unsern Erwartungen entsprochen. Wochenlang sahen wir kein Schiff. Die drei gefangenen Kapitäne und ihre Mannschaften sehnten sich fast noch mehr wie wir nach neuem Zuwachs, der nicht kommen wollte.
»Slade.«
Auf was für sonderbare Ideen die Menschen doch verfallen, um eine Situation auszunützen! Einer unserer Gefangenen wünschte sehnlich, von uns auf einer einsamen Insel abgesetzt zu werden, er hätte vom Seefahren genug, seine Hinterbliebenen würden die Versicherung ausbezahlt bekommen, und er wünschte, als Verschollener seine Ruhe zu haben.
Die furchtbare Hitze, der Mangel an Bewegung und Beschäftigung, das schlechte Wasser und der Mangel an frischem Proviant drückten die Stimmung darnieder. Es gab ja noch neutrale Häfen in Südamerika, aber der edle Begriff der Unparteilichkeit war in diesem Krieg der Welt gegen unser Volk von bösen Wolken umschleiert; kein gastlicher Hafen zog uns an, denn wir Deutschen haben keine Freunde, keine Gerechtigkeit zu erwarten. Höchstens 24 Stunden würden wir geduldet, und sind dann vom Feind umstellt. Niemand öffnet uns seine Tür, wir müssen uns selber helfen. Seit zweihundertfünfzig Tagen kein erneuertes Wasser an Bord! Wenn man wenigstens sich einmal ein erfrischendes Bad hätte erlauben dürfen! Der Landbewohner kann sich kaum den Haß vorstellen, welcher den Seemann gegen die Haifische beseelt, die ihn von dem kühlen Element absperren und auf sein hölzernes Gefängnis beschränken. Der Hai wird als ganz persönlicher Feind empfunden, und da die Langeweile ohnehin zu kindlichen Scherzen aufgelegt macht, so läßt man seine böse Laune gern an den Scheusalen des Meeres aus. Haifischfang war die einzige Abwechslung, die wir hatten. Manchmal banden wir ein paar gefangene Haie mit Schwänzen aneinander und ließen sie wieder schwimmen, wobei sie sich nie über die Fahrtrichtung einigen konnten. Mitunter befestigten wir besonders großen Haifischen eine leere Tonne am Steert. Zunächst glaubte der Hai dann, wenn er nach einer gründlichen Tracht Prügel von Bord entlassen war, an unsere Großmut, versuchte, die neugewonnene Freiheit eiligst auszunützen und schoß gierig in die Tiefe; aber schon nach drei Metern (dies war die Länge der Leine am Faß) bemerkte er seine Fesselung und jagte nun in wilder Fahrt bald rechts bald links, um die Tonne abzuschütteln, die im vollen Sprung immer hinterherrollte.