»... Haifischfang war die einzige Abwechslung.«
Zuweilen banden wir auch eine mit Speck umnähte Handgranate an den Angelköder; biß ein Haifisch an und schwamm mit dem dicken Bissen, um den ihn jeder Kollege beneidete, zur Verdauung weiter, so war beim Anbeißen der Zünder herausgerissen, und nach fünf Sekunden flog der Hai in Fetzen, die sofort von seinen zahllosen Spießgesellen verzehrt wurden.
35 000 Meilen hatten wir gekreuzt, monatelang nur Himmel und Wasser gesehen. Obwohl noch willig an Geist, unsere Kaperfahrt fortzusetzen, fühlten wir doch jetzt den größten Feind des Seemannes: Beriberi, die Krankheit, »in der das Blut zu Wasser wird«. Verschiedene Leute hatten schon dicke Glieder und Gelenke infolge des schlechten Proviantes und mangelhaften Wassers. Wir mußten eine Insel anlaufen, um etwas Frisches zu finden. Dort wollten wir ausruhen, und dann sollte unser nächstes Kreuzergebiet ein Schlag um Neuseeland und Australien sein, von dort wollten wir die englische Wal- und Transtation auf Südgeorgien zerstören und schließlich unser Handwerk in dem besser blühenden Geschäft des Atlantischen Ozeans fortsetzen.
Unseren ersten Gedanken, eine der größeren Cookinseln anzulaufen, mußten wir verwerfen, weil wir eine feindliche Funkenstation vermuteten und auch der sonstige Verkehr unser Inkognito gefährden konnte. Um unsern Motor zu schonen, von dessen Lebensdauer unser Erfolg beim Kapern abhing, wollten wir uns auch nicht östlich von unserer augenblicklichen Länge entfernen. Uns war besonders darum zu tun, eine unbewohnte Insel aufzusuchen und wir wählten deshalb Mopelia, zur Gruppe der Gesellschaftsinseln gehörig. So traumhaft schön die herrlichen Südseeinseln sind, so nachteilig sind sie für den Seemann, da er nur in den seltensten Fällen eine Reede und sicheren Ankerplatz vorfindet. Es gibt fast nichts Lieblicheres und nichts Heimtückischeres auf der Welt.
»... Es gibt nichts Lieblicheres als die Südseeinseln, aber auch nichts Heimtückischeres.«
Am Morgen des 29. Juli kam uns die Insel in Sicht; wir steuerten sie an. Es war uns, als wenn wir ein Märchenland vor uns hätten. Die Insel begrüßte uns mit ihren hohen Palmen und Gummibäumen wie ein wahres Paradies. Die vorgelagerten Korallenbänke stiegen treppenförmig unterhalb des Wasserspiegels zur Tiefe hinab und gaben im Reflex des sonnenbeschienenen Wassers auf jeder Stufe neue Farben und Bilder infolge des Durchschimmerns der weißen Korallen. Da waren hundert Übergänge von Weiß zu grünlichen und in der Tiefe bläulichen Schattierungen von der wunderbarsten Mannigfaltigkeit. Das kreisrunde Riff, auf dessen Grat sich dort, wo Humus entstanden war, vier kleinere Inselchen und eine bandförmige Hauptinsel erheben, umschließt die kreisrunde Lagune. Dieses kesselförmige Stückchen Ozean, ebenso tief wie die umliegende See, unterscheidet sich von ihr durch seine Stille; spiegelglatt und ohne Bewegung gibt es das Gefühl des Geborgenseins. Das Korallenriff hat eine kleine Durchfahrt nach der Lagune, nicht weit genug, um mit dem »Seeadler« hineinfahren zu können. Sonst wäre uns der schönste, sicherste Hafen geboten gewesen. Ein starker Strom setzte durch die Einfahrt. Wir brachten unsern Anker auf das Korallenriff, und an einer langen Drahttrosse lagen wir infolge des Stromes gut frei von der Insel.