»... Das Einzige was wir besaßen, lag zertrümmert.«

Wie der Korallenblock, auf den wir aufschlugen, sich tief in den Boden des Schiffes hineinrammt, und die Masten krachend von oben brechen und das Deck mit Tau und Segelzeug überschütten, sucht jeder Deckung hinter Bordwand und unter der Back. Nun ist der Anprall vorüber, das Unglück geschehen, und man sieht sich um nach seinen Leuten. Man sieht keinen; zunächst glaubt man der einzige Gerettete zu sein und verwünscht diesen Zufall. Man ruft matt nach vorn: »Jungs, wo seid ihr?« Da ertönt aus dem Vorschiff die herrliche, unvergeßliche Antwort: »Herr Graf, de Eikbom, de steit noch.« Die deutsche Eiche! Blitzartig geht es einem durchs Bewußtsein: Noch schlägt das deutsche Herz! So wie wir kleine Schar den schweren Schlag überdauern, so hält auch das Vaterland übermächtig stürmenden Gewalten stand:

»De Eikbom, de steit ok noch tohus.«

Es hieß nun, nicht sich dem Schmerz hingeben, sondern an die Arbeit gehen. Es galt, Proviant und Wasser für 105 Menschen zu bergen. Alle Gegenstände, auch die mit Wasser gefüllten Munitionsbüchsen mußten etwa 30 Meter weit über scharfes, unebenes Korallenriff durch starken Strom des ungefähr einen Meter tiefen Wassers getragen werden. Oft fielen die Leute um, und am nächsten Morgen gab es keinen ohne völlig zerschundene Beine mehr. Aber in zäher Anspannung wurde die ganze Nacht gearbeitet. Schließlich haben wir alles auf die Insel hinübergebracht, was zum Leben nötig war. Das Wasser in den Munitionsbüchsen erwies sich freilich als verdorben, und so wurde es unsere Lebensrettung, daß wir auf der Insel durch Sprengung uns Brunnen graben konnten.

Takelage des »Seeadlers« nach der Strandung.

Nun entstand unter den Palmen in kurzer Zeit die letzte deutsche Kolonie. Zuerst ging die Flagge hoch. Cäcilieninsel tauften wir unsere neue Heimat. Hatten wir auch die bisherige, unser Schiff, verloren, so besaßen wir jetzt an Stelle der paar Planken ein paar Fußbreit Erdreichs.

Es galt, sich einer neuen Lebensweise anzupassen. Auf der Insel hausten Millionen großer und kleiner Vögel. Man konnte an manchen Stellen keinen Schritt tun, ohne ein Ei zu zertreten. Verscheuchte man die Möwen, so flogen sie so dicht auf, daß sich die Sonne verfinsterte. Die brütenden Vögel aber verlassen ihren Nistplatz nie, sie lassen sich lieber auf dem Platze totschlagen, als daß sie ihre Brut aufgeben. Nur durch Abfeuern von Schüssen konnte man sie da verjagen. Da die Eier, die wir vorfanden, meist angebrütet waren, steckten wir ein Stück Brutland mit dem Tau ab und warfen die dort gefundenen Eier ins Meer. Der hierdurch freigewordene Raum zog sofort alle die werdenden Möwenmütter an, die es kaum erwarten konnten, ihr Ei loszuwerden. So verfügten wir in kürzester Frist über eine verschwenderische Fülle garantiert frischer Eier. Nachts, wenn wir Feuer anmachten, kamen große Einsiedlerkrebse zu Hunderten und Tausenden, vom Licht angelockt, heran.