Am nächsten Morgen fahren wir rüber. Wir laden unser Zeug von dem Boot in den Schoner. Jeder schmunzelt versteckt über das herrliche Schiff, das wir jetzt unter unseren Füßen haben, den wundervollen Salon, die Kombüse, Kojen, ein Dach wieder über uns, ein Deck, worauf man laufen kann. Und dann der Gedanke, wie werden sich unsere Kameraden auf der Insel freuen, wenn wir mit diesem feinen Fahrzeug ankommen, das außerdem zwei ganz neue Motore hat, die uns ermöglichen, den Kreuzerkrieg von neuem fortzusetzen. Man kann verstehen, wie groß unsere Freude war. Wir können nicht erwarten, bis das letzte Glied der Ankerkette hoch ist, bis wir auf See sind und der Augenblick kommt, wo wir uns dem Kapitän und der Besatzung als Deutsche vorstellen und die deutsche Flagge heißen.

Wie wir uns so auf unseren künftigen Kreuzer freuen, tritt ein neues Ereignis ein. Ein großer Dampfer hat Kurs auf die Hafeneinfahrt. Hallo, was soll der Dampfer? Unser Kapitän sagt, er wird wohl den Eigentümer der Insel hier herüber bringen. Des schlechten Wetters wegen ist kein anderer Verkehr möglich. Der Dampfer fährt ein, läßt ein Boot zu Wasser und ein Offizier und vier indische Soldaten steuern auf uns zu. Was nun? Unsere Uniformen sind fest verschnürt in Zeugsäcken. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Offizier, der der einzige war, welcher einen Revolver bei sich führte, während die indischen Polizeisoldaten nur Bajonette hatten, mit einer Pistole über den Haufen zu schießen oder eine Handgranate ins Boot zu werfen. Niemals hat es uns sonst wohl an dem Entschluß gemangelt, doch in diesem Augenblick, da wir gegen unsere Ritterlichkeit handeln sollten. Wir sind Offiziere und Mannschaften der deutschen Marine, in Zivil überrascht, was sollen wir tun? Wir schießen nicht als Heckenschützen. Dieselbe psychologische Hemmung, der wir unsere unblutigen Erfolge verdankten, daß sich ein Mann in Zivil niemals gegen eine Uniform zu vergreifen wagt, wandte sich diesmal gegen uns.

Als der Polizeioffizier herankommt, uns verhaften will und fragt, wer wir seien, stelle ich mich ihm vor als Kommandant des »Seeadler« mit einem Teil meiner Besatzung. Wie wurde der Mann schneeweiß; wie zauderte er, näher heranzukommen, und dabei waren wir doch so heruntergekommen durch Hartbrot und Wasser, so entkräftet durch die Fahrt im Boot. Im Augenblick, da unsere Kreuzerfahrt neu beginnen sollte, war sie jäh zu Ende.


Fünfzehntes Kapitel.
Im Zuchthaus.

Gefangengenommen! Nach so viel Strapazen und Listen in einem Augenblick endlichen Erfolges gefallen, weil wir in Zivil nicht auf den Feind schießen konnten!

Nachdem wir uns dem Offizier als die Leute vom »Seeadler« zu erkennen gegeben hatten, sagte er: »All right, Sie haben sich einen Namen gemacht und werden eine anständige Behandlung finden. Ich bin ein Brite.« Das Wort »Brite« betonte er besonders.

Die alte Stewardeß auf dem Dampfer »Amra« aber gewöhnte uns gleich an andere Töne. Sie fing an zu schimpfen: »Seht einer an, diese Hunnen machen unser sauberes Deck schmutzig, und die Schwarzen sollen es dann wieder schrubben. Die Hunnen müßten schwarz angemalt werden, und ich wäre immer noch lieber ein Schwarzer als so ein Deutscher. Schiffe mit Frauen und Kindern versenken, das ist alles, was sie können. Am liebsten würde ich euch alle vor dem Frühstück totschießen.« Die ganze Hetzarbeit unserer Feinde sprach aus dieser einfältigen Frau.

Abends kamen wir in Suva an. Die ganze Stadt war in Bewegung; eine Eskorte von 100 Soldaten stand bereit, und unter ihrer Bewachung marschierten wir sechs arme Möpels unserm Asyl zu. Rings kreischt und schimpft die Menge der weißen Kolonisten, während doch der Farbige mit stiller Bewunderung auf uns sieht.