Da fragte der Admiral: »Wo ist die ›Manila‹?«

»›Manila‹? Bei Mopelia.«

»Ja, weshalb sind Sie dann mit Ihrem Boot hierher gekommen? Sie hatten doch die ›Manila‹.«

Ein Gedanke schoß mir blitzschnell durch den Sinn. Ich erwiderte, wir hätten uns jetzt auf zwei Schiffe verteilen müssen, da die amerikanischen Schoner nur Wasser für etwa 15 Mann hätten und auch die Unterkunftsräume zu eng gewesen wären. Das schien ihm einleuchtend, aber schmunzelnd sagte er dann: »Graf, Sie sind doch jetzt der Gefangene, und wir Japaner sind doch nicht ganz so dumm zu machen. Ihre ›Manila‹, die liegt nicht in Mopelia. Sie sind mit ihr nach hier gefahren; und haben mit dem Boot versucht, innerhalb der Inselgruppen ein zweites Schiff zu kapern, denn das scheint mir wahrscheinlicher, als daß Sie mit einem solchen kleinen Boot über den Ozean gegangen sind. Also, innerhalb drei Tagen werde ich Ihre ›Manila‹ finden.«

Das war wieder einer, der die Wahrheit nicht vertragen konnte. An die Möglichkeit unserer wahren Bootsfahrt wollte er nicht glauben, und da kam ihm die von mir hinzugedichtete »Manila« ganz gelegen, um mich der Unwahrhaftigkeit hinsichtlich der Bootsfahrt zu zeihen! Meine Odysseuserzählung erfüllte also ihren Zweck. Denn in der Tat hat er und die ganze übrige Flotte, die hinter uns her war, die »Seeadler«-Mannschaft nicht in Mopelia gesucht. Die Wahrheit hat sich hier als die beste Verschleierung erwiesen. Was ich im Augenblick hinzudichtete, hatte sich aus dem Verlauf der Unterhaltung ergeben, war nicht durch besondere Überlegung und Geistesgegenwart bewirkt. Ich hatte nur das eine Ziel vor mir gesehen: »Wie mache ich es, daß der Japaner nicht mit dreißig Meilen raufsaust und mir meine Jungs noch gefangennimmt?« Jetzt wußte ich den Verdacht von Mopelia abgelenkt.

Der Japaner fragte mich dann noch nach der Schlacht am Skagerrak und konnte nicht genug hören. »Ja, so ist es«, bemerkte er, »wieder ein geschichtlicher Beweis dafür, daß die kleinere Flotte der größeren überlegen ist. Eure Organisation, eure Wehrmacht ist so hervorragend, und wir müssen euch bewundern, aber eins können wir nicht verstehen, daß ein Land, wo soviel Intelligenz vertreten ist, so schlechte Politiker hat. Wundert ihr euch denn nicht selbst in eurem Lande, daß die ganze Welt gegen euch kämpft, habt ihr euch nie gefragt, ›warum‹? Was habt ihr gesagt, als Japan euch den Krieg erklärt hat?« Im Verlauf dieses Gespräches versicherte er mir, daß die japanische Politik nicht darauf ausgegangen wäre, uns zu bekämpfen, sondern neutral zu bleiben und dadurch Amerika aus dem Kriege zu halten. Daß Amerika selbst rüste und eine so große Wehrmacht bekäme, wäre eine für Japan höchst unerwünschte Folge unseres Krieges. In seinem gebrochenen Englisch erklärt er mir weiter, das japanische Auswärtige Amt hätte dem deutschen Botschafter im August 1914 nahegelegt, bei seiner Regierung anzufragen, ob Deutschland für die japanische Staatsschuld gutsagen wolle. Als hierauf von deutscher Seite gar keine Antwort erfolgt sei, hätte der englische Botschafter mit seinem Anerbieten leichtes Spiel gehabt.

Dann mußte Abschied genommen werden und es ging wieder ins Zuchthaus zurück, aber nur noch für zwei Stunden. Im schmutzigen Zwischendeck des Dampfers »Talune« ging es nach Neuseeland, wo man uns ein bleibendes Heim bestimmt hatte.


Bevor ich weitererzähle, muß ich nun jedoch von dem Schicksal der »Seeadler«-Mannschaft berichten. Unsere Leute, die auf der Insel Mopelia zurückgeblieben waren, merkten an den vielen chiffrierten Funksprüchen, die sie mit ihrer drahtlosen Telegraphie auffingen, und die alle an Marine-Attachés gerichtet waren, daß ihr Kommandant gefangengenommen war. Sie fürchteten nun stark, ihr Aufenthalt könnte dadurch bekannt werden, und wollten deshalb auch nicht mehr in dieser Gegend bleiben. Sie begaben sich an die Arbeit, ein Boot wieder seetüchtig zu machen, aber dabei kamen ihnen doch Bedenken, in solcher Nußschale mit 58 Mann loszufahren, und sie glaubten kaum, daß sie einer Gefangennahme entgehen könnten.

Eines Morgens kam fern am Horizont ein französischer Segler in Sicht. Der Kapitän sieht voraus klar, daß ein Segelschiff auf dem Korallenriff liegt, und er ruft seinen Steuermann: