»Steuermann, liegt dort nicht ein Wrack?«
Der Steuermann bestätigt es.
»Als wir vor einem halben Jahr hier vorbeifuhren, haben wir das aber doch nicht gesehen! Da müssen Schiffbrüchige sein. Wir wollen darauf zuhalten!«
Mittlerweile sieht Kling den Segler ankommen. Eine freudige Begeisterung bricht los: »Da kommt ja ’n Schipp, da brauchen wir ja unsere alten Boote gar nicht.« Sofort machen sie ein Boot klar, vier Mann an die Riemen, sechs Mann in Uniform legen sich platt auf den Boden, bis an die Zähne bewaffnet. Der Kapitän des französischen Seglers sieht, daß das Boot kommt und sagt zu seinem Steuermann: »Steuermann, da kommen ja schon die Schiffbrüchigen!« Er freut sich, ein gutes Werk tun zu können, heißt sofort die Trikolore, damit die armen Schiffbrüchigen sehen, daß ein Freund kommt und sie holt. Meine Jungs ruderten mit aller Kraft; der Abstand verringert sich. Der Kapitän ruft ihnen zu: »Leute, strengt euch doch nicht so an, wir kommen ja!« Die Fallreepstreppe wird heruntergelassen, damit sie bequem an Bord kommen können. Das Boot geht längsseit. Schnell wie die Katzen entern die sechs deutschen Matrosen auf und stehen an Deck. »Des Allemands, des Allemands!« schreien alle und halten die Hände hoch. »Tout est perdu.« Der Kapitän steht wie vor einem Rätsel. Was er am wenigsten erwarten konnte, das ist Wirklichkeit: Die einzigen Schiffbrüchigen hier in der Südsee sind deutsche Matrosen, und die befreit ein Franzose! Wie ist’s möglich?
»Jawohl, Kapitän, dort liegt unser Wrack; wir sind nun einmal Allemands, daran ist nichts zu ändern; wir haben schon lange auf Sie gelauert. Dort auf der Insel sind unsere Kameraden und außerdem noch 27 amerikanische Gefangene!«
Wie, eine Boches-Besatzung auf französischer Insel? »Und wir wollten Sie retten, verlieren unser Schiff, und die steuern in die Freiheit? ...«
Der Kapitän sieht ein, daß er die Rolle tauschen muß. Die Franzosen werden hinübergesetzt auf die Insel; sie müssen jetzt die Schiffbrüchigen sein und meinen Jungs leuchtet wieder die Freiheit. Der französische Segler »Lutèce« wird umgetauft in »Fortuna« und Leutnant Kling übernimmt die Führung. Es war ein ehemaliges deutsches Schiff, das die Franzosen während des Krieges weggenommen hatten, und das nun durch ein eigenartiges Spiel des Zufalls seinen rechtmäßigen Besitzern wieder zukam.
»... Es war ein ehemaliges deutsches Schiff, das die Franzosen weggenommen hatten.«