»... Und verloren wieder ihr Schiff.«
Die Osterinsulaner, ein heiteres, bescheidenes, ungebunden lebendes Völkchen, die nur jedes Jahr einmal von der chilenischen Regierung abgetragene Lumpen überschickt bekommen, freuten sich der niegesehenen Herrlichkeiten, welche die schiffbrüchigen Deutschen ihnen zum Dank für gewährte Unterkunft anbrachten.
Mit großer Liebenswürdigkeit sorgte der chilenische Gouverneur für Unterbringung. Er stellte den Offizieren sofort ein Haus zur Verfügung, während meine Jungs, auf die Hütten verteilt, bei den Eingeborenen die herzlichste Gastfreundschaft genossen. Jeder nahm sich ein Pferd von den vielen Hunderten, die auf der Insel herumliefen. Außerdem gab es dort sehr viel Rindvieh und großen Reichtum an Fischen und besonders an Hummern. Fleisch war im Übermaß vorhanden, dagegen gab es kein frisches Gemüse. Der Bedarf davon wurde halbjährlich von einem chilenischen Schoner in Konserven herübergebracht. Auch Brot gab es auf der Insel nicht, doch hatten die Seeadlerleute ihr Mehl zu bergen vermocht.
Die Osterinsel ist die älteste Kulturstätte der Südsee. Im Innern und am Rand eines ausgebrannten Kraters findet man noch heute gegen hundert Kolossalstatuen von Gottheiten oder Helden, die von den ehemaligen heidnischen Bewohnern der Insel in grauer Vorzeit errichtet und verehrt wurden. Man steht vor diesen bis zu 15 Meter hohen Lavariesen schlechthin wie vor gewaltigen technischen Rätseln. Ihre Gesichter sind dem Ozean zugekehrt, wahrscheinlich sollen sie ansegelnde Feinde schrecken.
»Man steht vor diesen hohen Lavariesen ...«
(Der Donnergott.)
Während sich unsere Leute durch allerlei Arbeit und Spiel in traulichem Verein mit der Eingeborenenschaft die Zeit vertrieben, Wettrennen, Tanzvergnügungen und Theatervorstellungen in einer deutsch-eingeborenen Mischsprache veranstalteten, wurde der Gedanke, ein neues Schiff zu kapern, doch nicht aus den Augen verloren.
Am 25. November passierte das erste Schiff, ein amerikanischer Viermastschoner. Da Chiles Neutralitätsauffassung Kling die Möglichkeit zu Kaperungen offen zu lassen schien, wurde das Motorboot klar gemacht, funktionierte aber nicht aus Mangel an Gasolin. Ein Segelboot wurde aufgetakelt, um bei der nächsten Annäherung eines feindlichen Schiffes bereit zu sein.
Das nächste Schiff, das auftauchte, war aber der chilenische Schoner »Falcon«, der — vier Monate nach »Fortunas« Strandung — Ladung brachte und Fracht abholen wollte. Der Kapitän des Schiffes nahm die Besatzung des »Seeadler« als freie Leute mit nach Chile, wo den Schiffbrüchigen ein jubelnder Empfang von den deutschen Kolonisten und den Chilenen zuteil wurde. Aufs rührendste hat die deutsche Kolonie weiterhin für sie gesorgt. Besonderer Dank gebührt auch der chilenischen Behörde, die in ritterlicher Weise dem vaterländischen Fühlen und tapferen Ausharren meiner Jungs ihre Anerkennung und Bewunderung aussprach.