»... Sogar mit Segeljachten nahmen Sportsleute an unserer Verfolgung teil.«
(Englische Karikatur.)
Es war für uns keine kleine Aufgabe, uns in dem großen Hauraki-Golf ohne Seekarte und ohne brauchbaren Kompaß zurechtzufinden. Das Wetter war schlecht, die Nacht sehr finster, mancher von uns seekrank. Dann erhellte sich der Nachthimmel zwischen 1 und 2 Uhr durch weiße Lichtstreifen. Von Auckland aus wurde, um der Bevölkerung Emsigkeit vorzumachen, mit Scheinwerfern nach uns gesucht. Ein an sich lächerliches Vorhaben, aber uns dienlich, denn wir konnten nun an der Richtung Aucklands unsern verfahrenen Kurs wieder orientieren. Morgens warfen wir in einer geschützten Bucht, Red Mercury Island, Anker und hielten uns dort den Tag über versteckt, bis sich der Eifer der uns verfolgenden Flottille gelegt hatte. Zugleich hatten wir dort von dem unbewohnten, hügeligen und dichtbewachsenen Eiland aus einen guten Ausguck nach Küstenfahrzeugen, die von Süden heraufkamen. Ein Dampfer ging nahe vorbei, ohne uns zu bemerken.
Am dritten Tag fuhren wir aus den Küstengewässern hinaus über die Dreimeilengrenze. Dort auf hoher See vereidigte ich die Kadetten und machte sie zu Soldaten. Vizefeldwebel d. R. von Egidy wurde von mir zum Hilfsleutnant z. S. befördert. Dazu hatte ich als Kommandant eines alleinfahrenden Kriegsschiffes das Recht, wenn es auch nur eine »Perle« war. Egidys drei Brüder standen sämtlich als Seeoffiziere vor dem Feind; jetzt wurde unerwarteterweise auch der vierte, fern der Heimat, Angehöriger der Marine. Nun durfte Krieg geführt werden! Man sah die fieberhafte Aufregung der Kadetten, man fühlte ihren frischen Jugendgeist von Tatendurst brennen. Vorgestern noch gefangen, heute unter der ruhmreichen deutschen Kriegsflagge deutscher Soldat, sie, die schon geglaubt hatten, nicht mehr heranzukommen an den Feind. Sie hatten volles Vertrauen, und die neue Pflicht, anzugreifen, lag so greifbar vor uns, daß dieser seltsame Treuschwur im Boot gewiß keiner heimischen Rekrutenvereidigung an Ernst nachstand.
Die erhabene Stimmung konnte nicht allzulange andauern. Nachdem sich meine Rekruten wechselseitig die Haare militärisch kurz geschnitten hatten, ging es wieder an seemännisches Alltagswerk.
Auf einmal tauchte ein Regierungsdampfer »Lady Roberts« vor Mercury Island auf, um uns zu suchen. Wir verschwanden schleunigst auf hoher See, unsere beiden Ausguckposten im dicken Ginstergestrüpp der Insel zurücklassend. Der Dampfer setzte Leute aus, welche die Insel vergeblich durchsuchten, beschädigte, auf felsigem Boden aufschlagend, seine beiden Schrauben und dampfte lahm nach Hause mit der positiven Feststellung, daß wir nicht da wären. Wir kehrten zurück und lagen von jetzt ab sicher dort.
Nachdem wir zwei Tage bei Red Mercury Island gelegen hatten, wurden eines Morgens zwei Schoner gesichtet. Wir wollten beide kapern. Als wir den Angriff ansetzten, kam aber plötzlich starker Wind auf, und der erste Schoner glitt rasch vorwärts. Wir ließen ihn fahren; erst später haben wir gemerkt, daß das unser Unglück war. Wir entschlossen uns, den zweiten, größeren, zu nehmen. Es war die »Moa«.
»... Es war die ›Moa‹.«