Den ersten Tag habe ich dann Erbsen gekocht. Die gerieten sogar sehr schön. Ich hatte gleich etwas Liebe darauf verwandt und einen Schinkenknochen mit hineingesteckt, um mich beliebt zu machen, auch eine halbe Flasche Rotspon (vom Kaptein) zugegossen. Da sagten der Kapitän und die Leute: »Ah, wat is dat för ’ne feine Supp! Filax, bliw du man in de Kombüs, du versteihst den Kram.«
Das machte mich gleich sicher, und am andern Tag brannten infolgedessen die Erbsen an. Ich hatte gehört, in solchem Falle gibt man Soda hinein, wußte aber nicht, wieviel. Da dachte ich: »Tu mal ordentlich einen Schlag rein,« und so warf ich zwei Handvoll rein und wieder eine halbe Flasche Rotwein hinterher. Da sagten sie: »Filax, die sind ja noch viel besser als gestern: die sind ja ordentlich sämig worn. Wie hast du das gemacht? Mensch, Filax, du bist ja der geborene Koch.«
Aber ... um sechs Uhr abends, da hatte das Soda gewirkt. Ich flieg’ aus der Kombüse, der Kapitän war drei Tage krank, und die Folge war; daß Nauke in die Kombüse kam.
Ich war nun wieder der Verantwortung ledig. Nun nahmen wir für die Kajüte Dauerwurst über, die sollte für die Reise in Segeltuch eingenäht und mit Kalk bestrichen werden, damit sie sich besser hielt. Dazu werden die Leichtmatrosen genommen, weil die Meinung besteht, daß sie die ehrlichsten sind, noch nicht verdorben. Ich war für so etwas nicht beliebt.
Die Leichtmatrosen bekamen aber aus der Ferne einige geheime Anweisungen. Da wurde ein Besenstiel zersägt, von der Wurst auf beiden Seiten das Ende abgeschnitten, beiderseits an das Besenstielstück angesetzt und das ganze dann fest in Segeltuch eingenäht und verkalkt. Der Kapitän hielt über die 160 Würste die Kontrolle ab, sah hinten und vorn auf die Wurstenden, und sagte: »Gott sei dank, Jungens, daß ihr noch ehrliche Kerls seid.« Bei einem halben Dutzend der Würste hat er sich nachher beim Anschnitt aber verwundert.
Vier Wochen, nachdem Smutje weggelaufen war, bekamen wir ihn wieder. Da hatte die Hafenpolizei ihn in einem Hotel aufgefunden, worein er sich großspurig als Koch gesetzt hatte. Gewöhnlich geht ja, wer ausrücken will, erst am Tag vor der Abfahrt davon, da ist dann keine Zeit mehr zu Nachforschungen.
Die Mannschaft der »Cäsarea«, unter ihr Phylax Lüdicke (vom Beschauer gesehen der zweite Mann von links in der mittleren Reihe der Stehenden).
Die Schiffskost ist sehr einfach und gleichmäßig: Montags Erbsen, Dienstags Bohnen, Mittwochs Erbsen, Donnerstags Kabelgarn (Konservenfleisch), Freitags Bohnen, Sonnabends gibt es Graupen, Sonntag ist der Tag des Herrn, da gibt es Plum un Klüten (Pflaumen und Klöße). Am Sonntag besteht die Sitte, daß jeder der Reihe nach einmal anfangen darf, sich sein Teil aus der Schüssel heraus zu holen. Derjenige der so an der Reihe ist, der darf den großen Schöpflöffel, den »Politikus«, so voll nehmen, wie er kann, damit sich jeder einmal ordentlich satt ißt; aber dies Vorrecht hatte eben nur der, der anfing. Ich hatte lange geklügelt, wie ich das wohl am besten machen sollte, wenn ich daran kam, um »oll Fischermann sin Söhn« zu sein, wie es von dem hieß, der tüchtig viel fassen konnte. Und so hatte ich mir ein Verfahren ausgedacht. Wie ich nun rankomme, da habe ich mit dem Politikus alles in der Suppe erst mal in Drehung gebracht, in volle Fahrt. Die Suppe, worin die Plum un Klüten herumschwammen, war ein Brei, der von dem Löffel ja bald herunterlief, wenn man zufaßte. Ich brachte also das Zeug in Bewegung, drehte dann den Löffel in entgegengesetzte Fahrt und faßte zu. Min God, was hatte ich da für einen vollen Löffel! Den Leuten, die da sagen wollten, ich wäre oll Fischermann sin Söhn, denen blieb das Wort ordentlich in der Kehle stecken. Aber was hatte ich davon? Jeder, der nach mir rankam, nahm von jetzt ab meine Klütentheorie auch an.