»Macht nichts, mein Kind,« sagte Großmütterchen, »ich merke, dein Ehrgeiz rührt sich.«

Das nächste Mal: Vier Plätze höher. »Siehst du,« sagte sie, »das ist der Lohn deines Fleißes.« Also zwei Mark.

Das nächste Mal: Zwei Plätze herunter. »Macht nichts,« meinte die Großmutter. »Du kannst dich noch nicht auf solcher Höhe halten, bewahre nur deinen Ehrgeiz.«

Sie zog aber die heruntergekommenen Plätze nicht ab. Ich entdeckte, daß ich somit aus allen Geldverlegenheiten kommen könnte. An Gewinnsucht habe ich nie besonders gelitten, aber die Sache hatte auch ihre sportliche Seite. Ich wollte mir nämlich eine Karnickelzucht anlegen und einen Kaninchenbock kaufen. Der kostete 7 Mark, dazu mußte ich also mindestens 14 Plätze springen.

Und es gelang!

Freilich nur ganz vorübergehend. Der Mammon machte mich zu einem ganz abscheulichen Kerl. Die Sprünge hinauf und hinunter wurden infolgedessen immer größer, immer gewagter. Ich wurde auf diese Weise eines Tages sogar Primus.

Großmutter selbst legte mir nahe, es dem Vater noch nicht zu erzählen. Aber als sie in jenen Tagen einmal den Gymnasialdirektor Oertel traf, konnte sie ihren Stolz doch nicht zurückhalten: »Was sagen Sie nun zu Felix? Das Kind ist durch meine Methode, durch diese bescheidene Sache mit den fünfzig Pfennigen, sogar Primus geworden. Ich bin so glücklich. Was steckt doch in dem Kinde.«

Da sagte der Direktor erstaunt: »Felix Primus? Das muß wohl ein Irrtum sein. Der Ordinarius hat ja in keiner Konferenz etwas davon erwähnt. Ich glaube, Felix ist immer noch der Letzte.«

Großmütterchen war außer sich. Sie eilte nach Hause und machte mir die bittersten Vorwürfe, doch so, daß Vater nichts hörte. Denn sie wollte sich nicht mit ihrer Erziehungsweise blamieren. Nun besaß sie zwei Möpse. Georg, der jüngere, war 13 Jahre alt, Friedrich, der ältere, 14 Jahre; beide waren starke Asthmatiker. Georg fuhr immer Schlitten auf dem Teppich, wenn er unten gewesen war. Dem Friedrich mußte das wohl gefallen und er ahmte es nach, gerade als Großmütterchen mich vorhatte. So wurde sie von dem Thema abgelenkt und bemerkte dabei, daß der Friedrich eine unverdauliche Wurstschnur gefaßt hatte, die ihn genierte und die er eben abschleppen wollte. Georg lag seines Asthmas wegen am Sessel und pumpte Luft. Großmütterchen, als sie Friedrich sah, war ganz entsetzt, denn ihre Möpse standen ihr näher, und dabei entschlüpfte ich ihrer Strafpredigt. Nachdem Großmutter sich wieder mir zugewandt hatte, erklärte sie nur noch kurz: »Mit uns beiden ist es aus!« und so stand ich in meiner ganzen Schlechtigkeit wieder auf neutraler Zone, ihr nicht zu nahe und dem alten Herrn nicht zu nahe. Aus einem solchen Bösewicht konnte alles werden, nur nichts Ordentliches.

Als Ostern herankam, wurde ich versuchsweise versetzt, aber mir nahegelegt, die Schule zu verlassen. So kam ich nach Halle a. Saale, zu Hütter & Zander, einer berühmten Presse, die vielerlei versprach und mich durchaus noch nicht verloren gab. Versetzt mußte ich ja schließlich noch ein paarmal werden, um die Offizierslaufbahn einschlagen zu können. Mein Vater nahm mir noch einmal das Versprechen ab, mich ernstlich dahinterzusetzen, um Kaisers Rock tragen zu können.