Wir sitzen so, da sehe ich, wie er einen Tuschkasten herausholt. Und während wir draußen sitzen und das Abendlicht auf dem Wasser glitzert, malt er ihr eine Tätowierung auf den Arm. Ein tüchtig großes Herz mit einer großen Flamme daraus; dann mußte der Name rein. Er machte mal eine kleine Pause, denn sie konnte es nicht ganz aushalten. »Dat is ne feine Deern, de löt sik alles gefallen, de is so treu wie Gold.« (Nur sah der Vogel nicht so treu aus.) Er hatte ihr schon viel vorgeredet, Pläne gemacht. Sie wollten nach Australien, Gold suchen.
Ich bin ganz vergnügt, absolut in meinem Fett. So geht es den einen wie den andern Tag. Mit dem Steuermann konnte ich nicht gut umgehen, ich war ihm zu altbacksch. Er verpetzte mich immer. Ich wollte aber auch kein Freund vom Steuermann sein, sondern ein richtiger Matrose. Mit dem Kapitän unterhielt ich mich auch dann und wann einen Augenblick. Den dritten Tag kommt mein Freund, der Reeder, und will mich mit dem Motorboot abholen. Er will nach vorn kommen. Ich rufe: »Bloß mich nicht verraten.« »Wann kommst du an Land?« »Um sieben Uhr. Wir treffen uns im Commercial Room.«
Der Steuermann und der Kapitän hatten schon gemerkt, wie der Reeder ankam, aber nicht, daß er mit mir sprach.
»Tag, Herr Direktor.«
»Tag, Kapitän, na, was gibt es Neues? Geht das Laden gut vorweg? Wieviel Leute haben Sie schon?«
»Wir haben fünf Mann mit dem Steuermann.«
So gingen sie auf und ab. »Kapitän, ich lade Sie zu heute abend ein, seien Sie um acht Uhr im Englischen Hotel.«
»Jawohl, Herr Direktor.« — —
Wie ich den Reeder treffe, bitte ich ihn, den Kapitän zum Atlantic mitzubringen, aber nichts zu verraten. Ich komme in meiner Seemannskluft ins Atlantic, da gucken die Leute mich von oben herab an, und ich witsche in mein Zimmer. Der Geschäftsführer erkennt mich und zwinkert mit den Augen. Ich ziehe meine Uniform an, gehe noch ein wenig spazieren, und allmählich wird es halb neun. Im Hotel ist eine prächtige große Halle mit blumengeschmückten runden Tischchen. Wie ich zurückkomme, sitzt der Kapitän schon da. Er ist ein wenig befangen. Der Reeder stellt vor: »Kapitän Erdmann von der Hannah.« — »Graf Luckner.« Dann sitzen wir bei einer Pulle Wein.
Erdmann guckt mich immer so an und dreht mit dem Weinglas hin und her und entdeckt wohl eine gewisse Ähnlichkeit. Man sieht es ordentlich seinem Gesicht an, daß ich nach seiner Meinung einem Matrosen ähnlich sehe, aber er kämpft es offenbar nieder, denkt wohl, daß es gerade keine Schmeichelei für einen Seeoffizier sei, wenn er das sage.